Wirtschaft : Kurzbesuch im Dax

Die Osram-Aktie startet mit Verlust – und fällt wieder aus der ersten Börsenliga.

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Frankfurt am Main - Es war kein Novum, gleichwohl ein außergewöhnliches Ereignis: Für einen Handelstag bestand der Deutsche Aktienindex Dax am Montag nicht nur aus 30, sondern aus 31 Titeln. Die Siemens-Tochter Osram, deren Aktie zum ersten Mal in Frankfurt am Main und München gelistet wurde, ergänzten den Kurszettel. Nach Börsenschluss wurden die Papiere aber wieder aus dem Dax genommen, weil Osram die Kriterien nicht erfüllt. Ähnliches hatte es bereits 2005 schon einmal gegeben: Damals brachte Bayer die Tochter Lanxess auf identischem Weg an die Börse.

Für Osram (und Siemens) war es ein gemischter Börsenstart. Es war kein klassischer Börsengang und es gab keinen Ausgabepreis. Dieser Weg schien Siemens zu riskant. Alle Aktionäre des Münchener Konzerns erhalten über die Abspaltung („Spin-Off“) für zehn Siemens-Aktien ein Papier von Osram und sind damit an der früheren Lichttochter mit 80,5 Prozent beteiligt. Zu 24 Euro wurde die Osram-Aktie am Montagmorgen erstmals gehandelt, danach bröckelte der Kurs zeitweise auf weniger als 23 Euro ab, bevor er mit 23,80 Euro aus dem Handel ging. Knapp 105 Millionen Osram-Aktien stehen dem Handel zur Verfügung. Analysten hatten mit einem Startkurs zwischen 27 und 44 Euro gerechnet. Siemens selbst hatte den Wert seiner Tochter auf 3,23 Milliarden Euro taxiert oder 30,85 Euro pro Aktie.

Gefeiert wurde trotzdem in Anwesenheit von Bankern, Händlern und Journalisten. Osram ließ die Börse in ungewohnten Farben erstrahlen und Vorstandschef Wolfgang Dehen freute sich über ein neues Kapitel in der 107-jährigen Firmengeschichte. Die Börsennotierung eröffne große Chancen für die künftige Entwicklung für Osram. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 39 000 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro. Allerdings verbuchte Osram einen Nettoverlust von rund 380 Millionen Euro. Bis Ende 2014 sollen rund 5000 Stellen gestrichen werden

An der Börse tritt die Aktie von diesem Dienstag an in die hinteren Reihen zurück und verlässt den Dax. Die Chance auf die Rückkehr in die Börsen-Topliga ist nach Ansicht von Experten gering. Allerdings seien die Aussichten zur Einreihung in den M-Dax für die 100 mittelgroßen Unternehmen gut. Schon im Herbst könnte es soweit sein.

Dem Kurs des Papiers drohen allerdings zunächst weitere Einbußen. Denn Fondsmanager, die den Dax abbilden, müssen die Aktie wieder verkaufen. Andererseits macht die Entwicklung der Bayer- Abspaltung Lanxess den Osram-Managern Hoffnung: Der Chemiekonzern ist heute neben seiner einstigen Mutter ebenfalls im Dax notiert. Rolf Obertreis

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