Landwirtschaft : Bund verdient an volkseigenen Äckern

Die Energiewende treibt Nachfrage und Preise bei Ackerflächen in die Höhe. Davon profitiert auch Finanzminister Wolfgang Schäuble. Bauern in den östlichen Bundesländern sind wenig begeistert.

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Neue Energie. Auf vielen Anbauflächen in Deutschland wachsen Pflanzen wie Raps, die vorwiegend für alternative Energiegewinnung eingesetzt werden. Foto: dpa
Neue Energie. Auf vielen Anbauflächen in Deutschland wachsen Pflanzen wie Raps, die vorwiegend für alternative Energiegewinnung...Foto: dpa

Mit dem Ende der DDR stellte sich die Frage, wie die hunderttausende Hektar volkseigener Äcker und Felder privatisiert werden könnten. Seit 1992 kümmert sich die BVVG darum. Die Einnahmen gehen an den Bund: im abgelaufenen Jahr 483 Millionen Euro, wie die Bodenverwertungs- und -verwaltungs-GmbH (BVVG) am Freitag in Berlin mitteilte. Das sind gut 100 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor.

Die Gesellschaft verkaufte 2012 rund 40 400 Hektar Ackerland und 12 200 Hektar Wald. Ein Hektar ist etwa so groß wie ein Fußballplatz. Der durchschnittliche Preis lag mit 13 761 Euro um neun Prozent höher als im Vorjahr. Besonders begehrt sind die Böden in Sachsen-Anhalt (17 392 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (16 116 Euro), wo die Preise deutlich stärker stiegen. In Sachsen sank der Hektar-Preis hingegen von 12 418 auf 11 869 Euro. In Brandenburg stieg er leicht um gut 800 auf 9769 Euro.

Als Grund für die höheren Preise nennt die BVVG die wachsende Nachfrage. So würden mehr landwirtschaftliche Nutzflächen für Raps und Mais benötigt, die dann in der Energiegewinnung landeten. Den Vorwurf von Bauern, die Preise würden auch steigen, weil Kapitalanleger das schnelle Geschäft mit knapp werdender Ackerfläche suchten, will die Bodenverwaltung nicht gelten lassen. Mit durchschnittlich 8,3 Hektar seien die Ausschreibungen für Investoren in der Regel zu klein. Die Felder seien deshalb auch im vergangenen Jahr „fast ausschließlich“ an ortsansässige Betriebe gegangen, sagte BVVG-Geschäftsführer Wilhelm Müller.

Dennoch könnten Landwirte mit auslaufenden Pachtverträgen sich den Kauf des Ackerlands oft nicht leisten, sagte Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbands Brandenburg. Die BVVG müsse zum wirklich ortsüblichen Preis verkaufen. Das geschehe zu selten.

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