Wirtschaft : Lange Flügel und verdeckte Spulen Siemens zeigt, woran seine Forscher arbeiten

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Im Modell. Bald sollen Windräder länger halten und effizienter arbeiten. Foto: p-a/dpa Foto: picture alliance / dpa
Im Modell. Bald sollen Windräder länger halten und effizienter arbeiten. Foto: p-a/dpaFoto: picture alliance / dpa

München - Ein strahlend weißer BMW, Marke „Active E“, steht am Eingang des Siemens Forschungs- und Entwicklungszentrums in München-Neuperlach – zum Anschauen. Doch bei dieser Präsentation geht es nicht in erster Linie um das Elektroauto, das gerade mit 1000 Fahrzeugen erprobt wird und 2013 auf den Markt kommen soll. Vielmehr verweist Siemens auf das, was sich im Boden unter dem Auto abspielt, was sich versenken und wieder hervorholen lässt: eine runde, an das Stromnetz angeschlossene Metallspule von 60 Zentimetern Durchmesser. Damit sollen Elektroautos künftig ohne Kabel und Steckdose, ja sogar ohne jeden direkten Kontakt zwischen Fahrzeug und Stromquelle geladen werden. Die Spule in der Erde passt zu einer weiteren im Boden des Autos. Steht die erste unter Strom, leitet sie diesen an die zweite, die Batterie wird gefüllt.

Gemeinsam mit BMW arbeitet der Technologiekonzern an dieser, wie es heißt, sicheren und komfortablen Art, den Autos Antriebskraft zu geben. Induktive Energieübertragung heißt die Zukunftstechnik, die Siemens auf seinem „Innovation Day“ präsentiert. Die induktive Energieübertragung bietet Stoff für Visionen und für jede Menge Forschung. Die bisherigen Ladesäulen wären überflüssig. „Man kann en passant tanken“, meint Siemens-Forschungschef Reinhold Achatz. Denkbar sind solche Ladestationen etwa auf Parkplätzen oder in Garagen. Noch im Herbst dieses Jahres soll das Stromtanken ohne Kabel in einem Modellversuch in Berlin erprobt werden, wie Siemens-Vorstandsmitglied Klaus Helmrich sagt. Es ist ein Beispiel dafür, wie der Konzern mit Entwicklungen im Bereich grüner Technologie punkten möchte. „Das geht nur“, sagt Helmrich, „wenn man mit Partnern zusammenarbeitet.“ Wenn aus vielen Quellen Wissen geschöpft und zusammengefügt wird.

Der „Innovation Day“ gibt Einblick in die Forschungslabore von Siemens. An einzelnen Beispielen wird gezeigt, was denk- und machbar ist im weiten Feld der Umwelttechnik. So gibt es seit einem Monat eine Kooperation zwischen Siemens und dem Allgäuer Überlandwerk in Kempten. Mit dem Energieversorger, der 94 000 Haushalte beliefert, wird ein sogenanntes intelligentes Stromnetz, Smart Grid genannt, in der Praxis getestet.

Im Ort Wildpoldsried nordöstlich Kemptens wird neue Software eingesetzt, mit der sich die Energieverteilung verbessern und damit Strom sparen lässt. Ein Problem der regenerativen Energien besteht darin, dass sie sehr schwankend erzeugt werden – je nachdem, ob etwa die Sonne scheint oder der Wind bläst. In Wildpoldsried, wo es schon viel Ökostrom gibt, werden Fotovoltaik-, Biogas- und Windanlagen miteinander verbunden, um am effektivsten den Bedarf abzudecken. Elektroautos sollen dabei als Stromspeicher verwendet werden – wird viel Energie erzeugt, kommt sie in die Autobatterien. Braucht man den Strom, entlädt man diese wieder und speist den Strom ins Netz ein.

Auch bei der Windkraft arbeitet Siemens weiter an Verbesserungen. Ein Modell macht anschaulich, wie schnell sich diese Technik weiterentwickelt. Noch vor fünf Jahren waren die Flügel der Anlagen auf hoher See kerzengerade und starr. Die Folge: Durch den unterschiedlichen, teils heftigen Wind ermüdete das Material rasch, die Anlagen gingen kaputt. Ein ganz anderes Design hat das Siemens-Rotorblatt, das 2012 zum Einsatz kommen soll. Es ist noch länger als seine Vorgänger, mehr als 45 Meter, und geschwungen. „Damit kann es sich besser und flexibler an den Wind anpassen“, lobt Forschungschef Achatz. Auch sind die Flügel biegsam. So halten sie länger als ihre Vorgänger und können zudem mehr Strom gewinnen. Auch bei der Entwicklung der Flügel hat Siemens einen Kooperationspartner – das US-Energieministerium. Patrick Guyton

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