Lebensmittel : Verbraucher kaufen weniger, aber hochwertiger

Die Deutschen kaufen weniger heimische Lebensmittel. Für die Industrie wird der Export immer wichtiger.

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Der Inhalt unserer Kühlschränke wird immer übersichtlicher: Deutsche Lebensmittelproduzenten haben 2014 im Heimatmarkt merklich weniger Umsatz gemacht. Insgesamt gingen die Einnahmen der Ernährungsindustrie im Inland auf 117,8 Milliarden Euro zurück – das war ein Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Entwicklung, die anhalten wird, glaubt man der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE): „Hersteller müssen sich auf eine sinkende Mengennachfrage einstellen“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Verbands, am Mittwoch in Berlin. Grund dafür sei zum einen der demografische Wandel, aber auch ein Trend zu bewussterem Konsum. „Die Verbraucher kaufen seltener und weniger – aber hochwertiger.“

Viele deutsche Erzeugnisse werden exportiert

Zugleich konnte die Ernährungsindustrie ihren Umsatz außerhalb Deutschlands um zwei Prozent steigern. Fast jedes dritte Nahrungsmittel, das in der Bundesrepublik hergestellt wird, wird andernorts genossen: Mit 32 Prozent stieg der Anteil der Exporte an der produzierten Gesamtmenge auf ein Rekordhoch. 54,4 Milliarden Euro nahmen Unternehmen wie Dr. Oetker, Kühne, Mars, Tönnies, Schwartau oder Hela im Ausland ein. Exportschlager bleiben dabei Fleisch und Fleischwaren, die 19,5 Prozent an den Ausfuhren ausmachen, vor Milch und Milchprodukten (16,7 Prozent) und Süßwaren (14,2 Prozent). Auch Fertiggerichte und alkoholische Getränke made in Germany sind in der Welt beliebt.

TTIP soll der hiesigen Nahrungsindustrie neue Märkte eröffnen

Der Großteil davon (rund 80 Prozent) verbleibt aber in der EU. Große Chancen für deutsche Hersteller sieht Verbandschef Minhoff jedoch in den USA und Asien. „Wir hoffen, dass die TTIP-Verhandlungen zu einem Ergebnis führen, das der deutschen Ernährungsindustrie neue Marktzugänge eröffnet“, sagte er. Auch in China hätten deutsche Unternehmen aktuell mit Handelshemmnissen zu kämpfen. „Der Export ist der Bereich, in dem wir wachsen können“, unterstrich Minhoff die Bedeutung der Beziehungen. „Neue Absatzmärkte sichern Umsatz und Beschäftigung.“ Mit 559 800 Beschäftigten in 5 830 Betrieben ist die Lebensmittelbranche der drittgrößte Arbeitgeber der deutschen Industrie und führend in Europa. Dass man mit dem Exportwachstum 2014 den Umsatzrückgang im Inland nicht habe kompensieren können – die Gesamteinnahmen sanken nominal um 1,7 Milliarden Euro, preisbereinigt um 1,2 Prozent –, sei vor allem dem „unzureichenden Marktzugang“ geschuldet.

Deutschland ist weltweit der drittgrößte Lebensmittelexporteur

Auch die Sanktionen für Russland senkten die Gewinne. Der BVE-Chef mahnte deshalb: „Handel war immer das eine vermittelnde Element. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.“ Deutschland ist der drittgrößte Lebensmittelexporteur der Welt. International schätze man die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis deutscher Nahrungserzeugnisse, hieß es am Mittwoch. Im Inland müssten sich die Hersteller dabei auf immer höhere Anforderungen an Lebensmittel einstellen. Als Erfolg bewertet der Verband die Tierwohl-Initiative, der sich immer mehr Bauern anschließen. Obwohl eine wachsende Bereitschaft der Konsumenten, vereinzelt auch mehr Geld für Produkte auszugeben, erkennbar sei, dürfe man das Gesamtpreisniveau jedoch nicht anheben: „Jeder in diesem Land muss sich eine vielfältige Ernährung leisten können“, sagte Minhoff und verwies auf die hohe Zahl von Leistungsempfängern. Im Durchschnitt geben deutsche Verbraucher 340 Euro im Monat für Lebensmittel aus, etwa zehn Prozent ihres Einkommens. Damit liegen sie deutlich unter dem EU-Schnitt.

Mindestlohn und Konkurrenzdruck verschärfen den Wettbewerb

Steigende Agrarrohstoff- und Energiepreise, aber auch der Mindestlohn und ein wachsender internationaler Konkurrenzdruck verschärften den Wettbewerb, warnte der Verband. All diese Faktoren belasteten „die Zukunftsfähigkeit der deutschen Lebensmittelproduktion“.

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