Lebensmittelhandel : Der Preis der Ananas

Was die Konzentration im deutschen Handel mit Löhnen in Ecuador zu tun hat. Und wie Verbraucher zu mehr Gerechtigkeit beitragen können.

Maren Peters
ananas
Verletzung von Menschenrechten aufgrund von Preisdruck -Foto: ddp

Berlin - Was billige Ananas und Bananen in einer deutschen Aldi- oder Edeka- Filiale mit dem Arbeitslohn einer Pflückerin in Costa Rica zu tun haben? Eine ganze Menge, meint Marita Wiggerthale. „Die Supermärkte setzen ihre Einkaufsmacht massiv dazu ein, die Lieferanten im Preis zu drücken“, kritisiert die Autorin einer am Montag in Berlin vorgestellten Studie der Nichtregierungsorganisation Oxfam. Wenn tausende Arbeiterinnen in Costa Rica oft zwölf Stunden und mehr arbeiten müssten, ungeschützt Pestiziden ausgesetzt seien und dafür umgerechnet nur neun Euro am Tag bekämen, sei das auch Schuld von Aldi & Co. in Deutschland, sagt Wiggerthale.

Fünf Einzelhändler – Edeka, Rewe, Lidl, Aldi und Metro – kontrollieren bereits knapp 70 Prozent des Lebensmittelhandels. Allein auf Discounter, die wegen aggressiver Preise bei Verbrauchern besonders beliebt sind, entfallen mehr als 40 Prozent, mit steigender Tendenz. Und die Konzentration der Einkaufsmacht nimmt weiter zu. So ist die mächtige Edeka-Gruppe, zu der auch der Discounter Netto gehört, gerade dabei, die Plus-Märkte von Tengelmann zu übernehmen. Das Bundeskartellamt hat allerdings massive Bedenken. Die Behörde befürchtet, dass Edeka nach dem Zusammenschluss in einigen Teilen Deutschlands über eine unangreifbare Marktposition verfügen wird.

Zu Recht, meint Oxfam Deutschland. Je größer der Marktanteil der wenigen verbleibenden Supermärkte, desto mehr könnten sie ihre Einkaufsmacht gegenüber den Zulieferern ausspielen. „Bereits jetzt führt der Preisdruck dazu, dass die Lieferanten Arbeits- und Menschenrechte verletzen, um im harten Wettbewerb gut abzuschneiden“, sagt Wiggerthale.

Am Beispiel von Ecuador und Costa Rica hatte sie die Produktionsbedingungen bei Ananas und Bananen untersucht. In Deutschland stammt jede zweite Ananas aus Costa Rica, jede dritte Banane aus Ecuador. Die Bestandsaufnahme ist ernüchternd. In Ecuador erhielten nur wenige Arbeiter den staatlichen Mindestlohn. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation sollen auch 30 000 Kinder auf den Bananenplantagen arbeiten, die nur zwei Drittel des Erwachsenengehalts verdienten.

Damit sich daran nichts ändert, verhinderten Lieferanten „systematisch“ die Bildung von Gewerkschaften. Piña Fruit etwa, der Großvermarkter Dole mit Ananas aus Costa Rica beliefert (und der wiederum Edeka, Rewe, Penny, Plus und Kaiser’s), drohe gewerkschaftsaffinen Mitarbeitern mit schwarzen Listen, Gehaltskürzungen und Massenentlassungen.

Mehr als Appelle kann Oxfam nicht aussprechen. Verbrauchern empfiehlt Wiggerthale, die teureren Bio- oder Fairtrade-Produkte zu kaufen, um das Gewissen zu entlasten. „Soweit ich weiß, ist die Bezahlung im Bio-Anbau etwas besser.“ Ganz sicher aber würden bei der Produktion keine Pestizide eingesetzt. Und außerdem nicht multinationale Konzerne, sondern Kleinbauern in Entwicklungsländern gefördert. Maren Peters

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