Lebensunterhaltungskosten : Berlin ist teurer als München

Personalberater ermitteln Kosten für ausländische Manager. Dabei schafft die deutsche Hauptstadt weltweit Platz 26.

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Teure Stadt? Die Personalberatungsfirma ECA International ermittelte die Preise von 125 Produkten und Dienstleistungen und schloss, dass Berlin teurer sei als München. Foto: dpa/picture alliance
Teure Stadt? Die Personalberatungsfirma ECA International ermittelte die Preise von 125 Produkten und Dienstleistungen und...Foto: dpa/picture alliance

Berlin - Wer dachte, er wisse schon alles über Berlin, den mag eine neue Studie überraschen: Berlin ist teurer als München. Das gelte jedenfalls für ausländische Manager, hat die internationale Personalberatungsfirma ECA International ermittelt. Der Untersuchung zufolge ist Tokio für ins Ausland entsandte Mitarbeiter – Expatriates genannt – weltweit die teuerste Stadt. In Europa liegt Oslo vorn und in Deutschland eben verblüffenderweise Berlin.

Personalberater sammeln Daten über die Lebenshaltungskosten von Expatriates, weil Unternehmen wissen wollen, was sie einem Mitarbeiter im Ausland bezahlen sollen. Zum einen geht es dabei um die faire Entlohnung im Vergleich zu den Kollegen im Inland, zum anderen soll der Verdienst aber so gut sein, dass die Tätigkeit im Ausland attraktiv wird.

ECA in London hat nach eigenen Angaben für die Studie zu den Lebenshaltungskosten die Preise von 125 Produkten und Dienstleistungen ermittelt. Dazu gehören Lebensmittel, Toilettenartikel, Bekleidung, Unterhaltungselektronik oder Benzin und Autoversicherungen. Nicht hinzugerechnet wurde jedoch die Miete. „Die Wohnkosten sind ein so wichtiger Bestandteil des Gehaltspaketes, dass der von den Personalabteilungen separat verhandelt wird“, sagt Mira Pathak von ECA International. Für die Studie wertet ECA drei Quellen aus: Fragebogen der ins Ausland entsandten Mitarbeiter selbst, Daten von professionellen Preisagenturen sowie Recherchen eigener Preisdetektive. Insgesamt seien alle deutschen Städte im Vergleich zum Vorjahr günstiger geworden, ermittelte ECA. Besonders im Preis gefallen seien Flachbildschirme und Hühnerfleisch. Die Bierpreise seien weitgehend stabil geblieben – Dosenbier sei allerdings nahezu fünf Prozent im Preis gestiegen. Eine befriedigende Erklärung, warum Berlin in diesen Dingen teurer sein soll als München, liefert das allerdings nicht. Zudem liefert die Analyse von ECA noch ein verblüffendes Ergebnis: Ein Abendessen im Restaurant kostet in Berlin pro Person 41 Euro, in München 37,45 Euro.

Leider kann das Statistische Bundesamt nicht zur Aufklärung beitragen: Es sammelt keine regionalen Daten über die Lebenshaltungskosten hierzulande. Jedoch hat das Bundesamt für Bau- und Raumforschung 2009 einen regionalen Preisindex erstellen lassen. Ergebnis wie erwartet: München ist die teuerste Stadt im Land.

Das Ergebnis der Studie der internationalen Personalberatungsfirma ECA International. Grafik: Tsp/PM
Das Ergebnis der Studie der internationalen Personalberatungsfirma ECA International.Grafik: Tsp/PM

Doch der Vergleich hinkt: Denn im Ausland tätige Manager haben teilweise andere Konsumgewohnheiten als die Einheimischen. Wer das Spezialbier aus der Heimat in Berlin trinken will, muss dafür mehr Geld ausgeben als für ein Glas Schultheiss. Die besonderen Konsumgewohnheiten führten im Ranking gelegentlich zu Positionen, die für Ortsansässige auf den ersten Blick nicht immer nachvollziehbar seien, heißt es zum Beispiel bei der Beratungsfirma Mercer, die ebenfalls weltweite Städte-Rankings erstellt. Allerdings kommt Mercer zu anderen Ergebnissen: Demnach war Tokio zuletzt die teuerste Stadt für Expatriates, München, die teuerste Stadt Deutschlands, landete weltweit auf Platz 47, Berlin auf 49.

„Berlin ist ein attraktives Pflaster für ausländische Manager“, kommentiert Christina Vardakis, Sprecherin der Industrie- und Handelskammer, die Studie von ECA. Das liege insbesondere an den unschlagbar günstigen Mieten, die in der Studie allerdings gar nicht berücksichtigt wurden. Ohne die Mieten zu berücksichtigen, sei die Studie eben auch nicht sehr aussagekräftig. So sieht das auch Christoph Lang, Sprecher der Wirtschaftsförderung Berlin Partner: „Für alle, die nicht auf der Straße schlafen, fehlt da ein wichtiger Kostenblock.“

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