Wirtschaft : Lebensversicherer zahlen weniger

Verbraucherschützer: Auf den Überschuss achten

Heike Jahberg

Berlin - Viele Versicherer und Finanzdienstleister rühren die Werbetrommel. „Jetzt noch aktuellen Garantiezins sichern!“, mahnt etwa der Finanzvertrieb AWD. Und fordert Verbraucher auf, noch bis zum Jahresende eine Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen. Doch Verbraucherschützer raten ab: „Das ist Augenwischerei“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Richtig ist, dass der gesetzlich festgelegte Höchstrechnungszins für alle Lebensversicherungen, die nach dem 31. Dezember dieses Jahres abgeschlossen werden, von derzeit 2,75 auf 2,25 Prozent gesenkt wird. Doch das heißt für sich genommen erst einmal nichts. Denn ob die Versicherungsgesellschaften einen Garantiezins versprechen, ist ihre Sache. Gesetzlich festgelegt ist nicht die Unter-, sondern die Obergrenze: Der Garantiezins darf den sogenannten Höchstrechnungszins nicht überschreiten. Dieser liegt künftig bei 2,25 Prozent, bei Altverträgen beträgt er bis zu vier Prozent. „Die Versicherer müssen die Garantien nicht geben“, betont Versicherungsberater Rudnik. Faktisch zahlen jedoch nahezu alle Gesellschaften den Garantiezins, um nicht Neukunden an die Konkurrenz zu verlieren.

Auf die Rendite hat der Garantiezins außerdem so gut wie keine Auswirkungen, warnt der Bund der Versicherten. Er wird nämlich nicht auf die gesamte Prämie gewährt, sondern nur auf den Sparanteil des Versicherungsbeitrags. Wie hoch der ist und wie viel Geld auf die Kosten der Versicherung entfallen, sagen die Versicherer nicht.

Die Verbraucherschützer haben jetzt für die größten deutschen Versicherer – Allianz, Hamburg-Mannheimer, Aachen-Münchener, Volksfürsorge und Victoria – ausgerechnet, wie hoch die Rendite der vertraglich garantierten Ablaufleistung für verschiedene Vertragsvarianten ist. Untersucht wurden Lebensversicherungen für 30-, 40- und 50-jährige Männer, die jeweils zum 65. Lebensjahr auslaufen sollten. Das Ergebnis ist mager: Selbst in der attraktivsten Variante – Abschluss mit 30 Jahren – liegt die Rendite nur bei durchschnittlich einem Prozent, bei einem 40-jährigen Neukunden unter einem Prozent. Wer als 50-jähriger Mann eine Lebensversicherung abschließt und 18 000 Euro einbezahlt, bekommt bei der LV 1871 mit 65 Jahren sogar nur 17 900 garantiert – „hier ist noch nicht einmal der Kapitalerhalt garantiert“, kritisiert Rudnik. Die nominale Absenkung des Garantiezinses auf 2,25 Prozent spielt angesichts solch bescheidener Renditen keine Rolle.

Die Gesamtverzinsung der Verträge liegt jedoch in aller Regel höher. Denn auf den Garantiezins zahlen die Versicherer noch eine Überschussbeteiligung. Diese wird aber von Jahr zu Jahr neu bestimmt und ist im Gegenteil zum Garantiezins nicht für die gesamte Vertragslaufzeit festgelegt. Wie hoch die Überschussbeteiligung für das kommende Jahr ist, legen die Versicherer in diesen Wochen fest.

Einige Unternehmen haben ihre Zinsentscheidung bereits getroffen. So zahlt die Continentale auch für 2007 wieder 4,6 Prozent. Die Axa erhöht die Gesamtverzinsung – Garantiezins plus Überschussanteil – für Renten- und Kapitallebensversicherungen von 3,5 auf vier Prozent. Je nach Vertrag wird noch ein Kostenüberschussanteil von bis zu 0,3 Prozent fällig. Die Gothaer Versicherung hatte bereits Ende September eine Anhebung der Gewinnbeteiligung von vier auf 4,2 Prozent angekündigt.

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