Wirtschaft : Leidenschaft und SchadenfreudeWas die Zweirad-Branche besser macht

Was die Autobauer noch versuchen, ist der Fahrradbranche offensichtlich gelungen: Leidenschaft für die Elektromobilität zu schaffen. Rund 400 000 E-Bikes und Pedelecs finden derzeit pro Jahr einen Käufer, Stromautos kommen nur auf einen Bruchteil. „Das ist ein Lifestyle-Thema geworden“, berichtet Klaus Dittko, Vorstand bei den Werbern von Scholz & Friends, auf dem eMobility Summit des Tagesspiegels. Allerdings greift oft noch die ältere Generation zu. Aber auch Jüngere merkten nun, dass es nicht mehr nur um „Hilfsrollatoren“ gehe, sagte Peter Wicht, Vorstand des absatzstärksten deutschen Fahrradbauers Mifa.

Die Produktpalette bei Elektro-Zweirädern wird immer breiter. Frank Müller, Chef von Urban-e MSC, pries seine Lastenräder mit Elektro-Unterstützung. „Jedes ersetzt ein Auto, weil Fahrradkuriere damit schneller durch die Stadt kommen, aber trotzdem bis zu 50 Kilogramm transportieren können“, erklärte er. „Zugleich verdienen sie im Monat bis zu 500 Euro mehr, weil sie mehr Aufträge erledigen können.“ Patrik Tykesson hat mit seinen Brüdern einen Retro-Elektroroller entwickelt und schon kurz nach dem Start Geld verdient. „Wir bauen etwas, mit dem sich die iPhone-Generation identifizieren kann“, beschreibt er seine Masche.

Nicht Schönheit, sondern Schadenfreude treibt Stefan Gulas an. „Ich habe die Vision, Autos an der Ampel abzuziehen“, sagt er. Gulas hat einen Mix aus Fahrrad und Motorrad im Angebot, das E-Rockit. Seinen Angaben zufolge beschleunigt es schneller als ein Porsche. Man müsse den Suchtfaktor, der vom Wagen ausgehe, aufs Zweirad übertragen. Ohnehin habe das Auto seinen Zenit überschritten, es verschwende zu viel Energie. „Ich will die Autos in urbanen Bereichen von der Straße bringen“, sagt Gulas. brö

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