Limousinen-Dienste gegen Taxi-Unternehmen : Die Kaperfahrer

Berlins Taxi-Unternehmen fürchten Limousinendienste wie My-Driver, Blacklane oder Uber. Doch die machen vor allem sich selbst Konkurrenz. My-Driver hofft nun auf eine Pole-Position im Kampf um die Kundschaft.

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Glanz und Chauffeur.  Der Limousinendienst My-Driver will den Konkurrenten Blacklane überholen – mithilfe der Mutter Sixt. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Glanz und Chauffeur.  Der Limousinendienst My-Driver will den Konkurrenten Blacklane überholen – mithilfe der Mutter Sixt....Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Bastian Böckenhüser ist guter Dinge. Im Januar startete sein Limousinendienst My-Driver in mehreren großen deutschen Städten. My-Driver ist wie das Carsharing-Angebot Drive-Now eine Tochter des Mobilitätskonzerns Sixt. Mit dem neuen Unternehmen will Sixt nun Geschäftskunden begeistern – allein, es gibt bereits einen erfolgreichen Limousinenvermittler in Deutschland: Blacklane. Vor allem in Berlin rüsten nun beide Unternehmen zum Kampf.

„Von März auf April haben wir unsere Kundenzahl hier vervierfacht“, sagt Geschäftsführer Böckenhüser. Man habe nun Kundschaft im „mittleren vierstelligen Bereich“ und könne auf eine Flotte mit mehreren hundert Fahrern zugreifen.

Auch bei Blacklane, wie My-Driver ein Fahrdienstvermittler, freut man sich über die gute Nachfrage in Berlin. Blacklane startete als erster bundesweiter Limousinenservice und ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Seitdem habe sich die Zahl der Fahrzeuge in der Hauptstadt auf 150 „mehr als verzehnfacht“, sagt Unternehmenssprecher Kristoff Köpke. Man sei in Berlin „etablierter Marktführer“ und befördere in ganz Deutschland monatlich „etliche tausend Fahrgäste“.

Umstrittene Tarifregeln: Taxifahrer streiken in Berlin
Verstopfte Straßen: Am Montagvormittag fahren Berlins Taxifahrer in Kolonnen mit hunderten Wagen von den Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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Dass beide Unternehmen nicht konkreter werden wollen, liegt am Konkurrenzkampf. Beide Geschäftsmodelle beruhen auf dem gleichen Prinzip: Kunden via Smartphone-App oder Homepage an Limousinenservices vermitteln. Beide zielen auf Geschäftskunden ab und beide wollen über Deutschland hinaus expandieren. Und von dort kommt ein weiterer Wettbewerber: das US-Unternehmen Uber ist seit einigen Monaten auf dem deutschen Markt unterwegs.

Blacklane sieht sich im Vorteil. Schon jetzt sei man in 15 deutschen Städten sowie in fünf europäischen Hauptstädten vertreten, zudem in der Schweiz und an der Côte d’Azur. Vor My-Driver habe man daher keine Angst, sagt Blacklane-Sprecher Köpke. Der „Markteintritt von Kopien“ helfe schließlich dabei, den Limousinenservice als Alternative zum Taxi noch bekannter zu machen.

Im Taxi-Gewerbe zeigt man sich alarmiert. Gut 7600 Fahrzeuge sind in Berlin unterwegs. Die meisten sind mit Zentralen verbunden, viele auch über Apps wie My-Taxi erreichbar. Doch die Angst vor den Limousinendiensten nimmt zu. Noch im vergangenen Monat hatte ein Berliner Taxi-Unternehmer erfolgreich eine Verfügung gegen Blacklane erwirkt. Blacklane hatte auf seiner Homepage Taxipreise frisiert – und teurer als den hauseigenen Service dargestellt. Für eine zwölf Kilometer lange Fahrt von Tegel in die Stadtmitte veranschlagt Blacklane einen Nettopreis von 25 Euro. Den Taxipreis gab das Unternehmen mit 26 Euro an. Realistischer sind weniger als 24 Euro. Blacklane hatte Zuschläge für Wartezeit und Trinkgeld addiert. Mittlerweile sind die Taxipreise von der Blacklane-Seite verschwunden.

Auch der neue Konkurrent My-Driver berechnet für die Fahrt von Tegel nach Mitte 25 Euro in seiner günstigsten Klasse, die unter anderem mit Opel-Fahrzeugen bestückt ist. In der Business- und in der First Class bietet My-Driver unter anderem den 5er BMW oder die Mercedes S-Klasse.

Blacklane-Gründer: Frank Steuer (links) und Jens Wohltorf. Foto: Maris Hubschmid
Blacklane-Gründer: Frank Steuer (links) und Jens Wohltorf. Foto: Maris Hubschmid

Einen Vorteil können sich Limousinendienste gegenüber den Taxen durch eine bessere Umsatzsteuer verschaffen. Kann ein Unternehmen bei einer Taxifahrt nur sieben Prozent geltend machen, sind bei Fahrten mit Chauffeur 19 Prozent Mehrwertsteuer absetzbar. Auf Kurzstrecken könne man so zwar nicht mit Taxen konkurrieren, sagt My-Driver-Geschäftsführer Böckenhüser, aber ab zehn Kilometern und bei Überlandfahrten rechne sich der Service.

Dass die neuen Dienste dem Taxi-Gewerbe zu schaffen macht, das räumt auch Detlev Freutel, Vorsitzender des Berliner Taxiverbandes (TVB), ein. „Jetzt jault das Gewerbe auf“, sagt er, „aber den Wunsch nach mehr Service wollte es nicht erkennen.“ Der TVB setzt sich für ein besseres Bild des Taxigewerbes in der Öffentlichkeit ein. Mehr Qualität beim Service fordere er schon lange, sagt Freutel. Taxifahrer werden nicht bewertet – die Fahrer von Limousinendiensten hingegen nach jeder Tour.

Obwohl Taxen aufgrund ihrer Anzahl und ständigen Bereitschaft viel flexibler sind als Limousinen – diese haben eine „Rückkehrpflicht“ zur Zentrale nach jedem Auftrag – sind My-Driver & Co. noch auf dem Vormarsch. Deren Apps erlauben Kunden einen kurzfristigen Zugriff und eine klare Preiskalkulation. Das macht die Fahrdienste somit nicht nur zum edleren, sondern auch zum planbaren Taxi, was für Unternehmen entscheidend ist. Böckenhüser beobachtet, dass die My-Driver-Kundschaft „extrem App-affin“ sei. Buchen könne man eine Stunde im Voraus. Bei Blacklane seien mittlerweile sogar Aufträge innerhalb einer Viertelstunde oder weniger möglich, sagt Sprecher Köpke.

Dennoch haben die beiden Konkurrenten ein Problem: Sie kapern im gleichen Kundenfeld. Den Wettbewerb könnte My-Driver für sich entscheiden. Böckenhüser verrät: seinen kooperierenden Chauffeurdiensten kann My-Driver dank Mutterkonzern Sixt „Premium-Fahrzeuge zu vergünstigten Leasingkonditionen“ anbieten. Und so den Preis drücken.

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