Wirtschaft : Lipro: Betrugsvorwurf des Insolvenzverwalters zurückgewiesen

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Die unter Betrugsverdacht geratene Berliner Lipro AG hat am Mittwoch alle Anschuldigungen des Insolvenzverwalters Peter Leonhardt zurückgewiesen. Vorstandschef Dieter Küchler bezeichnete die Angaben der Insolvenzverwaltung als "Polemik und bewußte Rufschädigung." Weder seien Vermögen verschoben, noch Konten verschwiegen worden. Zu einer Stellungnahme gegenüber dieser Zeitung war Küchler allerdings nicht bereit.

Die Kanzlei Leonhardt und Partner bestätigte erneut, dass sie alle Anschuldigungen belegen könne. "Für sämtliche Angaben in dem Bericht ans Amtsgericht Charlottenburg haben wir Beweise", sagte Leonhardt. So sei ein Firmenkonto entdeckt worden, das Lipro auf dem Insolvenzfragebogen nicht angegeben hatte. Auch stünde auf vielen Ausgangsrechnungen der Lipro AG anstatt einer Kontoverbindung nur der Vermerk "wird seperat mitgeteilt".

Offenbar hat der Sofwarehersteller Auffanggesellschaften gegründet, die die Kunden und auch Mitarbeiter der Lipro AG übernommen haben. Zu diesen Vermutungen wollte sich Leonhardt nicht äußern. Er bestätigte nur, dass die Berliner Geschäftsräume der Lipro AG nahezu leer geräumt waren, als seine Mitarbeiter dort eintrafen. Und auch die Zahl der Ausgangsrechnungen habe seit Juli stetig abgenommen und sei im September bei Null angekommen.

Ende Juli diesen Jahres hatte Vorstandschef Küchler mitgeteilt, dass sein Unternehmen einen Standortwechsel plane und mit dem Land Nordrhein-Westfalen in Verhandlungen stehe. Dort würden der Lipro AG hohe Fördergelder gezahlt, begründete Küchler den möglichen Standortwechsel gegenüber Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). "Aus diesem Grund sollte auch die Hauptversammlung in Düsseldorf stattfinden", sagt Kunert. Bis heute hat keine Hauptversammlung stattgefunden - weder in Berlin noch in Düsseldorf. Nachfragen beim nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium haben jetzt ergeben, dass dort die Lipro AG nicht bekannt ist. Zudem gehöre Düsseldorf nicht zu den Fördergebieten in NRW, sagte eine Mitarbeiterin aus der Abteilung für regionale Wirtschaftsförderung.

Die SdK fordert nun den Rücktritt Küchlers. Zudem will sie gerichtlich einen neuen Aufsichtsrat benennen lassen. Denn bereits im Juli war der alte Lipro-Aufsichtsrat zurückgetreten, ohne das neue Mitglieder benannt wurden. Auch im Handelsregister liegt kein Eintrag vor.

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