Wirtschaft : Lufthansa: Der Kranich war anfangs eine Notlösung

Rolf Obertreis

So lässt sich ein Geburtstag feiern: Die Zahlen stimmen, die Konkurrenz ist neidisch und die Perspektiven sind gut. Wenn es derzeit eine solide, ertragreiche und vor allem auch zukunftsorientierte Fluggesellschaft gibt, dann ist es die Deutsche Lufthansa, die am 6. Januar ihren 75. Geburtstag feiert. Nicht nur unter den Airlines war es im Herbst vergangenen Jahres eine Ausnahme, dass die Prognosen für das laufende Jahr angehoben wurden. Dass Lufthansa-Chef Jürgen Weber so weit ging, will etwas heißen. Schließlich gilt er als eher vorsichtiger Manager. Fast zwei Milliarden Mark dürfte die Lufthansa im vergangenen Jahr verdient haben, rund 600 Millionen Mark mehr als 1999. Das wäre eines der besten Ergebnisse in der Unternehmensgeschichte, wenn nicht sogar das beste.

Dass der internationale Luftverkehr in den folgenden 75 Jahren einen solch rasanten Aufstieg erleben würde, dürften sich die Gründerväter der Lufthansa am 6. Januar 1926 kaum erträumt haben. In den zwanziger Jahren herrschte unter den damals rund 30 Luftfahrtunternehmen in Deutschland ein gnadenloser Wettbewerb, den schließlich nur die Deutsche Aero Lloyd AG und die Junkers Luftverkehr AG des berühmten deutschen Luftfahrtpioniers Hugo Junkers überstanden. Um wenigstens diese beiden Unternehmen zu retten, wurden sie auf Geheiß der Reichsregierung zusammengefasst: Mit einem Startkapital von nur 50 000 Reichsmark wurde am 6. Januar 1926 im vornehmen Hotel Kaiserhof in Berlin die "Deutsche Luft Hansa AG" aus der Taufe gehoben. Das Signet wurde der blaue Kranich.

Schon in ihrem ersten Jahr beförderte das Unternehmen mit seinen 162 Flugzeugen 56 268 Passagiere. In den Jahren danach legte die Lufthansa Jahr für Jahr zu, wurde allerdings auch schnell in die Rüstungs- und Kriegspläne der Nationalsozialisten hineingezogen - mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen Lufthansa-Chefs Erhard Milch, der 1947 als Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch im spanischen Bürgerkrieg spielte die Lufthansa als Helfershelfer der berüchtigten Legion Condor eine unrühmliche Rolle. Allerdings gab es in den Reihen des Unternehmens auch Männer, die, wie Klaus Bonhoeffer, Leiter der Rechtsabteilung und Bruder des Theologen Dietrich Bonhoeffer, ihren Widerstand gegen die Nazis mit dem Leben bezahlten. Gleichwohl: Nach dem Krieg wurde die Lufthansa zerschlagen, Berlin war nur bis 1945 Firmensitz. Erst am 6. Januar 1953 wurde die "Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf" mit Sitz in Köln wieder gegründet. Seit 6. August 1954 firmiert das Unternehmen wieder als Deutsche Lufthansa.

Wirtschaftlich ging es der Airline bis Ende der achtziger Jahre gut. Dann wollte die Konzernleitung zu viel, lehnte sich mit Investitionen zu weit aus dem Fenster und wurde zudem durch die dramatischen Folgen des Golf-Krieges auch für den Luftverkehr kalt erwischt. Konsequenz: Von 1991 bis 1993 flog das Unternehmen Verluste von über 900 Millionen Mark ein. Zeitweise stand die Existenz der Lufthansa auf dem Spiel. Erst die von Jürgen Weber - er steht seit September 1991 an der Spitze der Airline - eingeleitete harte Sanierung brachte den Umschwung. 1994 erreichte das Unternehmen wieder die Gewinnzone.

Weber gilt auch als Architekt des 1997 aus der Taufe gehobenen Kooperationsbündnisses "Star Alliance", dem mittlerweile 13 Fluggesellschaften angehören. Allein der Lufthansa liefert es jedes Jahr einen Ergebnisbeitrag von mehreren hundert Millionen Mark. Weber leitete auch die Privatisierung der Lufthansa ein: Von 1994 bis 1997 gab der Bund alle Anteile ab, heute sind knapp 90 Prozent der Aktien breit gestreut. 1999 erreichte die Lufthansa - die sich nach Ansicht von Weber durch ihre Aktivitäten im Frachtbereich, in der Touristik, im Catering und bei Bodendienstleistungen längst zum "Aviation-Konzern" entwickelt hat - mit weltweit 68 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 25 Milliarden Mark und einen Vorsteuergewinn von 1,96 Milliarden Mark. In den ersten neun Monaten des Jahres 2000 waren es schon wieder 1,8 Milliarden Mark.

Über 47 Millionen Passagiere und etwa 1,8 Millionen Tonnen Fracht dürfte die Lufthansa im Jahr 2000 befördert haben. 320 hochmoderne Jets standen dafür zur Verfügung. Auch der modernste Super-Vogel könnte bald zur Flotte gehören. Nach Angaben von Weber wird derzeit geprüft, ob die Kranich-Airline den neuen Airbus A380 ordern wird. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk für ihre Passagiere hat die Lufthansa allerdings nicht. Im Gegenteil: Wegen der gestiegenen Treibstoffpreise und der höheren Gebühren werden die Flugpreise im Jubiläumsjahr klettern.

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