Wirtschaft : Lufthansa steht im internationalen Vergleich gut da

ROBERT LANDGRAF

Vor allem Vorreiterrolle bei globalen Flugallianzen ein Pluspunkt / Dennoch scheiden sich bei der Aktien-Kaufempfehlung die GeisterVON ROBERT LANDGRAF

FRANKFURT (MAIN).Über den Wolken muß die Freiheit wohl grenzenlos sein.Was als Lied ein Ohrwurm ist, steht in der Realität sinnbildlich für ein hartes Geschäft.Spätestens seit der vollen Deregulierung des Luftverkehrs in Europa im April diesen Jahres gibt es für EU-Fluggesellschaften keine Grenzen mehr.Die Airlines bereiteten sich auf die neue Situation jedoch gut vor.Renommierte Investmenthäuser sprechen deshalb von einem guten Image der Unternehmen.Die Aktien der Gesellschaften gelten inzwischen als interessantes langfristiges Investment, das attraktive Erträge abwirft.Die jüngste Öffnung des Flugnetzes bietet eine gute Möglichkeit, Marktanteile zu gewinnen. Es drohen aber auch Gefahren, wie eine Analyse der DG Bank verdeutlicht.Denn seit den letzten beiden Jahren tummelt sich eine Reihe neuer Airlines wie Virgin Express, EasyJet oder Debonair über den Wolken, die aufgrund ihrer aggressiven Preispolitik vom jüngsten Liberalisierungsschritt profitieren sollten.Am Beispiel der USA lassen sich die Auswirkungen der Deregulierung gut veranschaulichen: Die sogenannten "No-frills-carriers" bieten Flüge mit mehr als 50prozentigem Preisabschlag gegenüber den etablierten Fluggesellschaften an.Auch in Europa wird von Luftfahrtexperten jetzt schon beobachtet, daß die Preise immer weiter unterboten werden.So lägen die Tarife derzeit so niedrig wie nie zuvor in diesem Jahrzehnt.Der Wettbewerb verschärft sich.In einem solchen Umfeld ist steigendes Verkehrswachstum wichtig.Es bietet zwar keine Garantie für steigende Profite, aber anziehende Gewinne ohne einen steigenden Flugverkehr halten Branchenanalysten für unmöglich.Sie nutzen folgende Daumenregel: Das Verkehrsaufkommen in der internationalen Fluggesellschaften steigt etwa doppelt so schnell wie das Bruttosozialprodukt.In den letzten zehn Jahren ging die Rechnung mit Ausnahme von 1991 auf.Im laufenden und nächsten Jahr erwartet Union Bank of Switzerland einen Anstieg des Passagieraufkommens um rund 8 Prozent. Gleichwohl sind Gesellschaften längerfristig vor allem dann profitabel, wenn Allianzen geschmiedet werden.Die Vorteile faßt Peter Seppelfricke von M.M.Warburg zusammen: Kooperationen ermöglichten "eine bessere Auslastung der Flüge durch aufeinander abgestimmte Flugpläne, gemeinsame Preisstrategien und Vielfliegerprogramme." Zugleich ließen sich durch wechselseitige Abfertigung und gemeinsamen Vertrieb von Flügen erhebliche Kosten einsparen.Die weiteste Strecke auf diesem Weg hat die "Star Aliance" zurückgelegt, bei der Lufthansa mit Air Canada, SAS, Thai Airways, United Airlines und ab Oktober mit Varig zusammenarbeitet.Seppelfricke ist zuversichtlich, daß die Lufthansa noch im laufenden Jahr eine Kooperation mit Cathay Pacific und/oder Singapore Airlines bekanntgeben wird.Damit werde die Allianz auch im Wachstumsmarkt Asien stark vertreten sein.KLM und Northwest haben dagegen erst kürzlich einen langen Rechtsstreit beendet, der eine intensive Zusammenarbeit verhinderte.Zudem decke deren Kooperation nur den nordamerikanischen Markt ab, urteilt die Vereinsbank.British Airways und American Airlines dürften ihre Zusammenarbeit nach Ansicht von Andrew Light von Salomon Brothers nicht vor April 1998 starten.Und Swiss Air könnte Singapore Airlines als Partner schon bald an die "Star Alliance" verlieren. An der Kostenschraube versuchen alle Airlines mit Senkungsprogrammen zu drehen.Die Lufthansa liegt hier gegenüber der Konkurrenz im Hintertreffen, da sie laut Light historisch gesehen 10 Prozent teurer produziert als die Wettbewerber.Im europäischen Vergleich steht die deutsche Gesellschaft nach Berechnungen der Vereinsbank beim Kurs-/Gewinn-Verhältnis über dem Durchschnitt der Konkurrenz.Das Institut erwartet aber im Zeitraum 1996 bis 1998 mit 35 Prozent (Konkurrenz: 17,2 Prozent) jährlich ein deutlich höheres Ertragswachstum. Bei der Anlageempfehlung für Lufthansa scheiden sich die Geister.Während beispielsweise Salomon Brothers die Aktie zum Kauf empfiehlt und Guy Keckwick von Goldman Sachs eine Entwicklung parallel zum Markt erwartet, rät M.M.Warburg auf dem jetzigen Kursniveau zu Gewinnmitnahmen.Am höchsten in der Gunst von Keckwick von Goldman steht die niederländische KLM (Kaufempfehlung), gefolgt von der Swiss Air-Gruppe (wird als "Market Outperformer" eingestuft).British Airways soll in der Kursentwicklung dem Markt folgen.

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