Wirtschaft : Lukrative Firmenpleiten

Insolvenzverwalter verdienen gut. Die Fallzahl sinkt

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Berlin - Unternehmen zu retten kann sich auch für den Retter lohnen. Über 27 Millionen Euro hat der Kölner Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg dafür erhalten, dass er Karstadt aus der Insolvenz herausgeführt hat. Das sind Vergütungssummen, „bei denen dem Normalbürger schwindlig wird“, räumt Siegfried Beck, Chef des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID), ein. Doch repräsentativ sei das nicht, warnte er am Donnerstag in Berlin.

„Solche Vergütungshöhen kommen nur in extremen Ausnahmeverfahren vor“, betonte Beck, der als Insolvenzverwalter bei Grundig und Photo Porst bekannt geworden ist. Auch hätten professionelle Verwalter nicht selten 100 oder mehr Mitarbeiter, die bezahlt werden müssten. Und neben den lukrativen Firmenmandaten betreuten die Büros auch zahlreiche Verbraucherinsolvenzen, die nichts einbrächten. Dass in der Insolvenzverwaltung „ordentlich verdient“ wird, räumt jedoch auch Beck ein. Nachwuchssorgen haben die Kanzleien nicht. „Ständig rücken junge, hervorragend ausgebildete Leute nach.“ Die Branche trifft sich am heutigen Freitag und am Samstag zu ihrem Jahreskongress in Berlin.

Obwohl die Zahl der Firmenpleiten seit dem zweiten Halbjahr sinkt, haben die Insolvenzverwalter nach Meinung Becks auch in Zukunft genug zu tun. Denn der Aufschwung werde derzeit vor allem vom Export getragen, gibt der Verbandschef zu bedenken. Andere Branchen – der Einzelhandel, das Transportgewerbe, der Dienstleistungssektor, Teile des Baus und des Handwerks – würden nach wie vor in der Krise stecken. Aber selbst in boomenden Branchen lauern Risiken, warnt der VID. „In vielen Unternehmen ist das Eigenkapital während der Krise massiv geschrumpft“, berichtet Beck. „Wenn jetzt das Wachstum finanziert werden muss, kann etlichen die Puste ausgehen.“ Zumal die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtig seien.

Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit maximal 35 000 Firmenpleiten. Vor einem Jahr habe man für 2010 noch mit 40 000 Fällen gerechnet. Die mehrfache Verlängerung der Kurzarbeiterregelung habe aber vermutlich tausende Firmen und hunderttausende Arbeitsplätze gerettet, lobt Beck die Arbeitsmarktpolitik der Regierung.

Aber auch mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sind die Verwalter zufrieden. Ihr Entwurf für eine Reform der Insolvenzordnung trifft in der Branche auf Zustimmung. Nach den Plänen der Ministerin sollen beim Insolvenzplanverfahren künftig Schulden in Eigenkapital umgewandelt werden, Gläubiger würden so an der Sanierung des Unternehmens beteiligt. Zudem soll es für Firmeninhaber leichter werden, ihr Unternehmen in der Insolvenz weiterzuführen, statt den Chefsessel für den Insolvenzverwalter zu räumen. Zudem will die Ministerin eine stärkere Konzentration der Insolvenzgerichte durchsetzen. Heike Jahberg

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