Luxemburg lockert Bankgeheimnis : „Das ist ein Dammbruch“

Deutsche Anleger haben weltweit 400 Milliarden Euro geparkt, sagt der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler

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Foto: promo

Herr Eigenthaler, Luxemburg lockert sein Bankgeheimnis, auch Österreich deutet ein Einlenken an. Verschwinden die Steuerschlupflöcher in Europa?

Die Ankündigung aus Luxemburg, ab 2015 Zinserträge ausländischer Anleger an die Steuerbehörden zu melden, hat steuerhistorische Bedeutung. Das ist ein Dammbruch. Ich begrüße das außerordentlich. Ich hoffe nur, dass den Ankündigungen auch Taten folgen. Wenn das EU-Land Luxemburg einlenkt, wird sich Österreich nicht länger verweigern können. Das wäre gegen den europäischen Geist.

Dann bleiben noch die Nicht-EU-Mitglieder Liechtenstein und Schweiz.

Ja, aber dort heißt es auch, man verfolge eine Weißgeld-Strategie. Ich glaube, dass diese Länder erst einmal beobachten, was Österreich und Luxemburg tun, bevor sie auf den Zug aufspringen. Das Bankgeheimnis und dubiose Anlageformen unter dem Mantel der Anonymität haben in Europa keine Zukunft mehr.

Wandert das hinterzogene Geld dann nicht einfach weiter?

Es gibt zwei Gruppen von Anlegern. Die einen haben ihr Geld nach Luxemburg gebracht, aber bereuen das heute und können nicht mehr ruhig schlafen. Die Leute wissen ja nicht, was noch alles herauskommt und ob ihre Namen auf den Offshore-Leaks-Listen stehen. Es gibt aber auch diejenigen, die es sich gar nicht erlauben können, sich selbst anzuzeigen. Organisierte Kriminalität, die Mafia, Spielhöllenbetreiber – diese Leute werden weiterziehen. Der Bundesfinanzminister muss sich deshalb zusammen mit den anderen großen Staaten an die Spitze der Bewegung setzen, um weltweit so viele Löcher wie möglich zu stopfen.

Wie viel deutsches Geld steckt in Luxemburg oder Österreich, von dem der Fiskus nichts weiß?

Das kann man natürlich nur schätzen. Ich gehe davon aus, dass es weltweit 400 Milliarden Euro sind, davon 150 Milliarden in der Schweiz. Österreich würde ich nicht so hoch einschätzen. Dort dürften zehn bis 15 Milliarden Euro liegen, das ist vor allem ein bayerisches Problem – wegen der Grenznähe und weil bestimmte Banken dort sehr aktiv sind. In Luxemburg rechne ich mit 40 bis 50 Milliarden Euro, in Liechtenstein mit 30 Milliarden. Luxemburg ist ein riesiger Finanzplatz und ein Baustein von Kaskaden.

Was heißt das?

Vieles geht zuerst nach Luxemburg und dann in die Karibik.

Warum werden die Steuerhinterzieher nicht geschnappt?

Die Staaten sichern sich durch Bankgeheimnisse ab. Zusätzlich werden Trusts gebildet, die Anleger ändern ihre Namen. Wenn man das nicht nur einmal macht, sondern mehrfach, findet Sie keiner.

Thomas Eigenthaler (54) war zunächst Steuerinspektor, dann Leiter eines Finanzamts. Seit 2011 ist der Jurist Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft.

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