Luxusgüterkonzern : Egana Goldpfeil kämpft um die Zukunft

Der Luxusgüterkonzern Egana Goldpfeil braucht dringend neue Kredite. Wie die derzeitigen Verhandlungen mit den Banken ausgehen, ist bisher unklar.

Sönke Iwersen (HB)

Düsseldorf - Eine Wirtschaftsprüfung beim Luxusgüterkonzern Egana Goldpfeil hat die schlimmsten Befürchtungen von Aktionären und Analysten bestätigt. Die Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG hätten ergeben, dass wesentliche Teile der ausgewiesenen Kundenforderungen unsicher seien, heißt es in einer Mitteilung von Egana Goldpfeil an die Börse Hongkong, wo der Konzern notiert ist. Die Aktie sei deshalb auf Wunsch des Unternehmens vom Handel ausgesetzt worden. Egana Goldpfeil und seine deutschen Tochtergesellschaften, zu denen unter anderen Salamander, Junghans, Joop, und Sioux gehören, würden derzeit "mit Banken um eine Verlängerung der Kreditlinien verhandeln, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs nötig seien", heißt es in der Mitteilung. "Der Ausgang dieser Verhandlungen ist unklar."

Die Bekanntmachung aus Hongkong ist der vorläufige Tiefpunkt eines dramatischen Sommers für Egana Goldpfeil. Für das Geschäftsjahr 2005/06 hatte das Unternehmen des deutschen Gründers und Großaktionärs Hans-Jörg Seeberger 560 Mill. Euro Umsatz und 29. Mill. Euro Jahresüberschuss ausgewiesen. Der Kurs der Egana-Goldpfeil-Aktie stieg nach diversen Erfolgsmeldungen seit 2006 um das Dreifache - von 0,20 Euro auf 0,70 Euro. Am 26. Juli veröffentlichte aber der Aktionärsschützer David Webb einen Artikel, in dem er auf große Unklarheiten in den Bilanzen von Egana Goldpfeil und offensichtliche Luftbuchungen hinwies. Der Kurs brach daraufhin schwer ein.

Am 30. Juli wurden die Egana-Goldpfeil-Aktien vom Handel ausgesetzt - mitten während einer Telefonkonferenz des Vorstandes mit Analysten und institutionellen Anlegern. Als der Handel einige Tage später wieder aufgenommen wurde, fiel die Aktie bis auf 0,15 Euro.

Das Management blieb bislang jede Erklärung für die außerordentlichen Kursausschläge schuldig. Ein Mitschnitt der Telefonkonferenz vom 30. Juli offenbart, wie die völlig überraschte Vorstandsriege das Gespräch mit ihren Anlegern Hals über Kopf abbrach, als sie von dem Handelsstopp an der Börse erfuhr. Wenig später verschickte das Unternehmen aber eine Meldung, in der es hieß, Egana Goldpfeil habe selbst um die Aussetzung des Handels gebeten, weil "eine Ankündigung bevorstehe, die den Kurs beeinflussen könnte."

Mehrere Tage lang herrschte völlige Unklarheit über das Fortbestehen des Unternehmens mit weltweit mehr als 7000 Mitarbeitern. Am 7. August wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Untersuchung der Bilanzen beauftragt. Nach Angaben von Egana Goldpfeil aus November 2006 betrugen die Aktiva des Unternehmens 606 Mill. Euro. Nach der Untersuchung von KPMG aber sind Forderungen in Höhe von 215 Mill. Euro zweifelhaft. Allein 157 Mill. Euro davon stammen aus Geschäften mit Wandelaneihen. Noch im August traten dann Vorstand David Wong und Verwaltungsrat Andy Ng zurück. Die offizielle Erklärung: "eine zu hohe Arbeitsbelastung."

Tatsächlich dürften andere Gründe für das Stühlerücken im Luxusgüterkonzerns verantwortlich sein. Sowohl Wong als auch Ng nahmen Führungspositionen bei der Firma Upbest ein, mit der Egana Goldpfeil bereits seit mindestens fünf Jahren Geschäfte machte. Dabei handelt nach Angaben des Aktionärsschützers David Webb, der im Verwaltungsrat der Hongkonger Börse sitzt, um nicht abgesicherte Kredite und seltsame Geschäfte. Laut Webb verkauften Egana Goldpfeil und Upbest sich allem Anschein nach gegenseitig dieselben Firmen und Beteiligungen an Firmen. So wurden Umsätze und Gewinne ausgewiesen, die heute äußerst zweifelhaft erscheinen. Wong und Ng sind inzwischen auch von ihren Ämtern bei Upbest zurückgetreten. Egana Goldpfeil lässt seit Wochen alle Anfragen zu diesem Thema unbeantwortet.

Gar nicht zu erreichen ist der Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jörg Seeberger. In der Telefonkonferenz vom 30. Juli erfuhren die Investoren erst auf Nachfrage, dass Seeberger schlechter Gesundheit sei und nur noch von seinen engsten Familienangehörigen angesprochen werden könne. Deshalb habe Seeberger sein Amt bereits seit April ruhen lassen.

Dies aber wirft neue Fragen auf. In den vergangenen Monaten brachte Egana Goldpfeil mehrere Mitteilungen heraus, in denen Seeberger ohne jede Einschränkung als Verantwortlicher genannt ist. Die jüngste davon befasst sich mit dem plötzlichen Kurssturz Ende Juni, in der die Unterzeichner, unter anderem Seeberger, behaupten, ihnen seien etwaige Gründe für den Einbruch unbekannt.

Laut Geschäftsbericht von Egana Goldpfeil ist das Unternehmen ohne Seeberger praktisch zahlungsunfähig. Der Vorstand nahm in den vergangenen Jahren mehrere Kredite in Höhe von insgesamt mehr als 100 Mill. Euro auf, die daran gebunden sind, "dass Herr Seeberger das Tagesgeschäft kontrolliert", wie es im Geschäftsbericht heißt. Sollte dies nicht mehr der Fall sein, würden sämtliche Kredite sofort fällig. Darin eingeschlossen sind 80 Mill. Euro, mit denen der Schuhkonzern Salamander refinanziert werden sollte. Egana hatte Salamander im März 2005 aus der Insolvenz erworben. Die Zukunft des schwer gebeutelten, in den vergangenen Jahren mehrfach verkauften und 2004 in Konkurs gegangenen Traditionsunternehmens ist nun völlig ungewiss. Nach Informationen des Handelsblatts schreibt Salamander in Deutschland weiterhin rote Zahlen. Die Frage, ob nun ein erneuter Gang zum Insolvenzrichter bevorstehe, ließ das Unternehmen unbeantwortet. Sönke Iwersen (HB)

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