Wirtschaft : Machtkampf bei Orlen

Chef des größten polnischen Konzerns muss gehen

Thomas Roser

Warschau - Jacek Walczykowski, erst kürzlich berufener Vorstandschef von Polens größtem Unternehmen, dem Mineralölkonzern PKN Orlen, muss seinen Posten nach einer nur 17-tägigen Amtszeit wieder räumen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Trotz eines Rekord-Gewinns von 167 Millionen Euro im zweiten Quartal kommt PKN Orlen derzeit aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus. Der Aufsichtsrat setzte Walczykowski nach einer Nachtsitzung den Stuhl vor die Tür und ernannte den bisherigen Vorstand für Logistik und Produktion, Janusz Wisniewski, zum Nachfolger. Lange soll sein Interregnum jedoch auch nicht währen: Bis Monatsende will der Aufsichtsrat erneut einen neuen Firmen-Chef küren.

Jacek Bartkiewicz, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, sprach von einer einstimmigen Entscheidung. Offiziell begründet wurde die Absetzung Walczykowskis mit einem fehlerhaften Berufungsverfahren. Walczykowskis Name war nicht auf der von einer Beraterfirma vorbereiteten Liste möglicher Kandidaten aufgeführt gewesen.

Der eskalierende Führungsstreit bei dem halbstaatlichen Unternehmen hält Polens Öffentlichkeit bereits seit Wochen in Atem: Um die Macht bei PKN Orlen liefert sich die Regierung des seit Mai amtierenden Premiers Marek Belka mit Polens reichstem und einflussreichstem Wirtschaftsmagnaten Jan Kulczyk ein erbittertes Gefecht.

1999 war die zum Großteil privatisierte PKN Orlen aus der Fusion der einstigen Staatsunternehmen Potrochemia Plocka und CPN entstanden. Mit direkten und indirekten Beteiligungen hält der Staat aber rund ein Drittel der Anteile an Polens ertragreichstem Unternehmen, das in Deutschland knapp 500 und in Berlin 19 Tankstellen betreibt.

Egal welche Regierung in Warschau amtiert: Bislang versuchte noch jede, Schlüsselpositionen bei Orlen mit eigenen Leuten zu besetzen. Zwar wird der übermächtige Einfluss von Kulczyk von Polens Medien stets kritischer hinterfragt. Doch der Dauerkrach weckt zunehmend Unbehagen. Die Anleger bangen um Kursverluste. Analysten kritisieren die staatliche Einmischung. Nach der Abwahl von Walczykowski hat Warschau die Zügel bei Orlen vorläufig wieder fest in der Hand. „Das Schatzministerium hat gegen Kulczyk gewonnen“, titelte am Dienstag die Tageszeitung „Rzeczpospolita“.

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