Wirtschaft : „Man muss authentisch sein dürfen“

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Foto: Wolfram Scheible/SAPFoto: picture alliance / dpa

Frau Dammann, warum ist Sexualität ein Thema bei SAP?

Für uns ist Diversity oder Vielfalt Teil des Erfolges. Sie ist ein Innovationsmotor, und wir leben von der Innovation, sie macht uns erfolgreich. Wir sind noch ein relativ junges Unternehmen, wir werden im nächsten Jahr 40 Jahre alt. In dieser Zeit haben wir ganz unterschiedliche Berufsgruppen in das Unternehmen hereingeholt. An unserem Hauptsitz arbeiten Menschen aus über 80 verschiedenen Nationen. Wir sind davon überzeugt, dass die Vielfalt zu besseren Entscheidungen führt.

Ist die sexuelle Orientierung nicht eigentlich eine private Angelegenheit? 

Natürlich. Aber bei uns können sich die Mitarbeiter eben auch in Dingen engagieren, die ihnen persönlich wichtig sind. Für die einen ist ihre Sexualität wichtig und die Tatsache, dass sie sich nicht verstecken müssen, dass sie hundert Prozent ihrer Persönlichkeit auch in die Arbeit einbringen können. Den Kollegen in unserem Netzwerk für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle ist es wichtig, eine Bewusstseinsänderung herbeizuführen, nicht nur intern, sondern auch extern. Wir haben aber auch Frauen, die sich organisieren, andere setzen sich für benachteiligte Kinder ein, oder für ältere Mitarbeiter. Die Tatsache, dass sie im Unternehmen sie selbst sein können, trägt dazu bei, dass sie erfolgreicher sind. Wenn ich nicht authentisch ich selbst sein kann, gehen auch Potenziale verloren, Begeisterung und Energie, für den Einzelnen und für die Organisation.

Trägt die Konzernspitze auch zu dieser Bewusstseinsänderung bei? Kann man Toleranz verordnen? 

Ich glaube nicht. Das muss ein Teil der Unternehmenskultur sein. Die Vielfalt, die Andersartigkeit in jeder Beziehung ist etwas, mit dem unsere Firma groß geworden ist. Ich glaube aber, man kann Bewusstseinsbildung betreiben und muss das auch tun. Darüber zu sprechen, offene Dialoge zu fördern, ist sehr wichtig, wenn man die Talente in der Organisation behalten will.

Sie haben angekündigt, dass Sie den Anteil von Frauen in Ihrem Management bis 2017 auf 25 Prozent steigern wollen. Wird es irgendwann auch eine Homo-Quote geben?

Nein. Das würde ja heißen, heute haben wir die Frauenquote, morgen die für schwule und lesbische Kollegen, übermorgen wieder eine andere. Ich halte das Quotendenken für falsch. Eine Quote führt nicht zu mehr Chancengleichheit. Wir rekrutieren ja auch keine Frauen, nur weil sie Frauen sind, bei der Qualität darf man keine Kompromisse machen. Die Chancengleichheit zeigt sich in der Kultur, in dem, was Mitarbeiter jeden Tag erleben. Wir wollen Offenheit und eine Chance für jeden, egal welches Geschlecht, egal welche sexuelle Orientierung.

Angelika Dammann (50) ist seit einem Jahr Arbeitsdirektorin des Softwarekonzerns SAP. Sie ist dort die erste Frau im Vorstand. Mit ihr sprach Miriam Schröder.

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