Wirtschaft : Marken: Club-Cola für alle. Revival der berühmtesten Ostmarken - mit neuen Eigentümern

Dagmar Rosenfeld

Im Staatsratsgebäude in der Breitestraße hatten zu DDR-Zeiten Honecker und Mielke das Sagen. Die Einkaufsregale aber wurden von Käthe und Johanne regiert. Käthe Thiel war die Gründerin des Familienunternehmens Kathi-Backmischungen, und Johanne das Pendant zur Clementine von Ariel - sie warb im Osten für das Waschmittel Fewa. Dann kam 1990 die Wiedervereinigung und es schien, als ob im neuen Deutschland für Kathi & Co kein Platz wäre. Doch wider Erwarten haben viele Ostmarken überlebt. Heute stellen Rotkäppchen oder Spee sogar die West-Konkurrenz in den Schatten, Club-Cola hat in Westdeutschland Kultstatus.

1966 gab die DDR-Regierung den Auftrag, ein Cola-Getränk zu entwickeln, dass der westlichen Coffeinlimonade gleicht. Ein Jahr später wurde in Berlin die erste Flasche Club-Cola abgefüllt. Mit dem Mauerfall, brach der Absatz der Ost-Cola von 300 000 auf 10 000 Hektoliter ein. 1992 übernahm der Konzern Brau und Brunnen den angeschlagenen Getränkehersteller Spreequell-Mineralbrunnen. Mit alter Rezeptur und neuem Werbespruch meldete sich die Cola aus Berlin-Weißensee auf den Markt zurück: "Hurra ich lebe noch" - stolz berief sich das ostdeutsche Brausegetränk auf seine Vergangenheit. Heute ist die Club-Cola aus dem Getränkesortiment von Discos und Bars nicht mehr wegzudenken. Als ein "Stück ostdeutsche Kulturgeschichte" will sich auch die Zigarettenmarke f6 verstanden wissen. Philip Morris kaufte 1990 die Vereinigten Zigarettenfabriken Dresden und investierte 130 Millionen Mark. Der US-Konzern verbesserte Qualität und Herstellung der f6. Den Konsumenten allerdings versprach er: "Der Geschmack bleibt." Denn während West-Raucher den American-Blend-Flavour favorisieren, stehen die Ostdeutschen auf starken und würzigen Tabak.

Philip Morris begriff das schon vor zehn Jahren, während der Konkurrent Reemtsma die Tabakzusammensetzung der Ost-Zigarette Cabinet auf Weststandard umstellte. Das schmeckte den Rauchern im Osten gar nicht: Cabinet verlor über die Hälfte seiner Martkanteile. Die Marktführerschaft in den neuen Ländern hat f6 übernommen.

Die "schlaue Art zu waschen" haben sich die Westler von ihren Mitbürgern aus dem Osten abgeguckt: Fast zehn Prozent der deutschen Haushalte reinigen ihre Schmutzwäsche mit dem Waschmittel Spee. Das war nicht immer so. Kurz nach der Wende war die Spezialentwicklung, kurz Spee, bei Hausfrauen in Ost und West verpönt. Dann übernahm der Henkel-Konzern die Waschmittelfabrik Genthin und steckte 166 Millionen Mark in die Produktion. Mit dem Slogan "Ost und West gemeinsam zum Erfolg" eroberte Spee nicht nur seine alten Käufer zurück, sondern gewann auch neue Kunden hinzu.

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