Wirtschaft : Markt setzt auf den Euro Händler rechnen mit neuem Anstieg/Export boomt

Anselm Waldermann

Berlin - Der Euro-Höhenflug scheint nur vorübergehend beendet. Zwar senkte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs am Montag auf 1,3103 Dollar – am Freitag waren es noch 1,3200 Dollar. Aber am Devisenmarkt erholte sich die Gemeinschaftswährung schon wieder. Am Montagabend notierte der Euro bei 1,3102 – rund 0,25 Prozent mehr als am Freitag. Experten sind daher skeptisch, ob die relative Stärke des Dollar anhält.

Im Dezember war der Euro noch auf Rekordhöhen von bis zu 1,3647 Dollar gestiegen. Als Grund galten vor allem die amerikanischen Zwillingsdefizite – Leistungsbilanz und Haushalt. Daneben hatten auch die schwachen Handelsvolumina vor und nach den Feiertagen Spekulationsgeschäfte begünstigt. Seit Beginn des neuen Jahres befindet sich der Euro nun jedoch im Sinkflug.

Währungsanalysten glauben allerdings nicht an eine dauerhafte Bewegug des Euro nach unten. „Nach unserer mittelfristigen Prognose wird sich der Euro wieder festigen“, sagte Jens-Uwe Wächter, Währungsfachmann der Deka-Bank, dem Tagesspiegel. Auch Ulrich Beckmann von der Deutschen Bank Research sieht am Devisenmarkt keine Trendwende. „Was wir derzeit erleben, ist lediglich eine Normalisierungsphase“, sagte Beckmann. Viele Marktteilnehmer hätten zum Jahresende Positionen geschlossen und ihre Gewinne transferiert. Mittelfristig werde der Kurs aber „sicherlich bei mehr als 1,30“ liegen.

Gerhard Jänsch von Sal. Oppenheim hingegen setzt auf sinkende Eurokurse. Zwar bräuchten die Amerikaner ein Wirtschaftswachstum von mindestens vier Prozent, um ihre Defizite zu finanzieren und damit den Dollar zu stärken. „Die Chancen dafür stehen aber recht gut“, sagte Jänsch. In den ersten sechs Monaten 2005 sei daher ein Eurokurs von 1,15 bis 1,18 Dollar „durchaus möglich“.

Die Notenbankchefs der zehn wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländer (G10) rechnen in diesem Jahr mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von vier Prozent. Dies sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet nach einem G10-Treffen in Basel. Über Wechselkurse hätten die Notenbanker aber nicht gesprochen.

Unterdessen hat die deutsche Wirtschaft im November 2004 trotz des Euro-Höhenflugs erneut mehr exportiert als im Vorjahr. Mit 66,6 Milliarden Euro lagen die Ausfuhren laut Statistischem Bundesamt 13,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Import stieg um 12,5 Prozent auf 54,7 Milliarden Euro. Der Handelsbilanzüberschuss von Januar bis November summierte sich auf 145 Milliarden Euro. Damit wurde bereits ohne die Dezemberzahlen das Ergebnis vom Vorjahr übertroffen.

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