Maschinenbau : Die Maschinen laufen wieder

Ein Auftragsplus von 62 Prozent für die Schlüsselbranche Maschinenbau macht Hoffnung – auch dem Osten geht es gut.

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Volle Auftragsbücher. Die Hersteller erholen sich von der Krise – auch die thüringische Firma KD Stahl- und Maschinenbau aus Breitenworbis, die Häckselmaschinen produziert. Foto: dpa
Volle Auftragsbücher. Die Hersteller erholen sich von der Krise – auch die thüringische Firma KD Stahl- und Maschinenbau aus...Foto: dpa

Berlin - In den wichtigsten deutschen Wirtschaftsbranchen geht es immer deutlicher aufwärts. Nach der Autobranche meldet nun auch der Maschinenbau eine Fülle von Bestellungen: 62 Prozent mehr Aufträge als ein Jahr zuvor verzeichneten die Unternehmen allein im Juni. Im gesamten ersten Halbjahr habe das Plus bei 32 Prozent gelegen, erklärte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag. Auch die Perspektiven für die kommenden Monate seien „insgesamt positiv“, wie Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse sagte.

Damit erholt sich die Branche weiter vom Krisenjahr 2009, in dem sie dramatische Einbrüche zu verzeichnen hatte. Erfahrungsgemäß dauert es ein halbes Jahr, bis die zusätzlichen Bestellungen auch für mehr Umsatz und Produktion sorgen.

Auch der Maschinenbau in Ostdeutschland spürt den Aufwärtstrend. „Die Signale zeigen nach oben“, sagte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost, dieser Zeitung. Die Unternehmen suchten wieder vermehrt Fachkräfte, einige seien bereits wieder zu mehr als 80 Prozent ausgelastet. „Der Aufschwung ist allerdings noch nicht bei allen Unternehmen in den neuen Bundesländern angekommen“, schränkte Pätz ein. Für gute Geschäfte sorge aber die gute Lage bei den Auto-Zulieferern sowie die Bestellungen aus Russland. Generell sei der Exportanteil im Osten aber geringer als bei Unternehmen im Westen der Republik. „Das hat uns vor tiefen Einbrüchen während der Krise bewahrt, führt aber nun dazu, dass wir nicht so stark vom Aufschwung profitieren“, sagte Pätz.

Der Maschinenbau gilt als eine Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Mehr als 900 000 Beschäftigte, vor allem in mittelständischen Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten, produzieren Generatoren für Kraftwerke, Aufzüge, Roboter, Laser, Pumpen oder Windmühlen. Geht es dem Maschinenbau gut, stehen auch in anderen Bereichen die Zeichen auf Expansion. „Die Wirtschaftslage in Deutschland ist besser als in vielen anderen Ländern Europas“, sagte Matthias Thiel, Konjunkturfachmann der Privatbank M.M. Warburg. Die jüngsten Quartalsberichte der deutschen Dax-Konzerne deuteten ebenso wie die aktuellen Stimmungsindikatoren auf eine „sehr gute Entwicklung“ hin. Allein gegen Jahresende könne die Wirtschaft wegen der Abkühlung in den USA und China leicht abbremsen.

Im Inland stehen die Zeichen derweil noch gut – das zeigt auch eine Umfrage des Forschungsunternehmens Markit, das die Einkaufsmanager von 3000 Firmen nach ihren Plänen befragt. Der entsprechende Index signalisierte zum zehnten Mal in Folge Wachstum und stieg auf den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung 1996. Die Industrie in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Irland, Österreich oder die Niederlande zeigte indes in der Erhebung Anzeichen von Schwäche.

Dagegen ist auch der Mittelstand in Deutschland zuversichtlich. Ein Stimmungsbarometer, das die staatseigene KfW-Bankengruppe zusammen mit dem Ifo-Institut bei kleinen und mittleren Unternehmen erhebt, stieg im Juli so stark wie seit 1991 nicht, wie beide Institutionen erklärten. „Auf das Gesamtjahr gesehen wird Deutschland die Wachstumslokomotive in Europa sein“, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch. Auch planten die Firmen weiterhin, Personal einzustellen. „Der positiven Lage am deutschen Arbeitsmarkt dürfte damit bis auf Weiteres keine Korrektur drohen.“

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