Wirtschaft : Maschinenbau will 10 000 Jobs schaffen

Die Schlüsselbranche arbeitet an der Kapazitätsgrenze – rechnet aber mit einem Dämpfer

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Trotz der drohenden Rezession in den USA, einem der wichtigsten Absatzmärkte, sind die deutschen Maschinenbauer nach dem Rekordjahr 2007 auch für 2008 zuversichtlich. Die Produktion soll real um fünf Prozent steigen. „Wir bleiben auf Wachstumskurs“, sagte Manfred Wittenstein, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), am Dienstag in Frankfurt am Main. Das Plus von elf Prozent im vergangenen Jahr, das größte seit 1969, werde allerdings nicht mehr erreicht. Noch seien die Auswirkungen der Krise aber überschaubar.

Momentan sind die Auftragsbücher der Maschinenbauer noch bestens gefüllt. Damit seien die Fabriken im Schnitt für mehr als sechs Monate ausgelastet. Im vergangenen Jahr lag die Reichweite bei nur fünfeinhalb Monaten. Es gebe derzeit noch keine Stornierungen oder Anzeichen, dass Aufträge nicht erteilt würden. „Aber der Spielraum ist zweifellos enger geworden. Wir müssen um jeden Auftrag mehr kämpfen als bisher“, sagte der VDMA-Präsident. Auch mit Banken gebe es noch keine Probleme. Gleichwohl rechnet der VDMA mit einer schwächeren Weltkonjunktur.

Die nach wie vor gute Lage wird den Maschinenbau auch in diesem Jahr zum Motor für den Arbeitsmarkt machen. Rund 10 000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, nachdem 2007 bereits 50 000 neue Stellen geschaffen wurden. Damit arbeiten nun im Maschinenbau rund 953 000 Menschen, so viele wie zuletzt Mitte der neunziger Jahre. Dazu kommen noch einmal 50 000 Zeitarbeitskräfte.

Allerdings denken auch im mittelständisch geprägten Maschinenbau etliche Firmen darüber nach, ob sie dem dauerhaft starken Euro-Wechselkurs nicht durch den Aufbau einer Produktion im Dollarraum begegnen sollen. Es sei noch nicht wirklich ein Thema, zumal viele Firmen schon in den USA produzierten, sagt Wittenstein. „Aber auf Dauer wird der starke Euro problematisch.“ Andererseits sinkt der Anteil der Aufträge, die in Dollar abgerechnet werden, immer weiter. 2007 wurden nach Angaben des VDMA nur noch acht Prozent aller Exportrechnungen deutscher Firmen in Dollar ausgestellt.

Trotz des starken Euro konnten die Firmen im vergangenen Jahr ihre Gewinne weiter ausbauen. Die Nettorendite von mehr als vier Prozent im Jahr 2006 habe man ausgeweitet, sagt Wittenstein. Sie sei das Ergebnis eines Jahres der Rekorde, das die Maschinenbauer selbst nicht erwartet hätten. Die Produktion kletterte 2007 um real elf Prozent auf den Rekordwert von 181 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf rund 193 Milliarden Euro. Sowohl im In- als auch im Ausland liefen die Geschäfte rund. Die Exporte erhöhten sich um knapp 13 Prozent, wobei es selbst in Europa noch deutliche zweistellige Zuwachsraten gab, während das Exportwachstum nach China und Indien auf einstellige Werte zurückging. Im Inland verbuchten die Firmen einen noch stärkeren Absatzzuwachs um 17,5 Prozent. „Der Boom hat inzwischen alle Fachbereiche mitgerissen, von Feuerwehrfahrzeugen bis hin zu Textilmaschinen“, freute sich Wittenstein.

Auch in der übrigen Industrie ist die Lage gut. Die Bestellungen reichten derzeit für 3,1 Monate, ergab der am Dienstag veröffentlichte Konjunkturtest des Ifo-Instituts. Das sei der beste Wert seit 1992, hieß es.

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