Wirtschaft : Maschinenbauer hoffen auf ein Ende der Talfahrt

HANNOVER .Der deutsche Maschinenbau erwartet keinen weiteren Auftragsrückgang, bleibt aber für das laufende Geschäftsjahr bei seiner verhaltenen Prognose.Die größte deutsche Industriebranche habe ihren Tiefpunkt "bereits erreicht, vielleicht sogar schon überschritten", sagte Eberhard Reuther, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), am Montag zu Beginn der Hannover Messe 99.Für das laufende Jahr erwartet der Verband allerdings eine Stagnation.Zugleich schlägt die Interessenvertretung der Maschinenbauer einen schnellen Abbau von Subventionen vor und plädiert für eine pauschale Kürzung aller Subventionen um zehn Prozent.

Der VDMA erwartet für seine Branche besonders von der Hannover Messe mit dem neuen Schwerpunkt Fabrikautomation wichtige Konjunkturimpulse.Die Automatisierung der gesamten Produktion habe den Maschinenbau flächendeckend erfaßt, hieß es.Die Kunden verlangten zunehmend integrierte Systemlösungen für eine Produktion, sagte Reuther.Das bedeute, daß die Anbieter verschiedener Komponenten untereinander, aber auch Hersteller und Kunden wesentlich stärker als bisher miteinander kooperieren.

Die Veränderungen der weltgrößten Industriemesse hin zum Themenschwerpunkt Fabrikautomation mache deutlich, in welche Richtung nicht nur die Unternehmen, sondern die gesamte Gesellschaft denken müsse.Das Argument, daß Automation und Rationalisierung nur Arbeitsplätze vernichte, sei falsch.Dies belege die in Deutschland dank Automatisierung nach wie vor vorhandene und produzierende Zigarettenindustrie.Die Automobilhersteller hätten dank neuer Techniken die Zeiten und Kosten der Produktion gesenkt und so ihre deutschen Standorte nicht nur gehalten, sondern teilweise ausgebaut.

Laut VDMA haben die Maschinenbauer in den ersten beiden Monaten dieses Jahres zehn Prozent weniger Aufträge verbucht als ein Jahr zuvor.Aus dem Ausland kamen 15 Prozent weniger Bestellungen herein.Doch vor allem in den USA, dem wichtigsten Exportmarkt, laufen die Geschäfte nach wie vor gut.Positive Signale gebe es auch aus Südkorea und Thailand.Der westeuropäische Markt hinke noch hinterher.Doch gebe es Anzeichen, daß die Nachfrage auch hier, besonders in Deutschland, wieder anziehe.Im vergangenen Jahr hatte der deutsche Maschinenbau als Weltmarktführer seinen Jahresumsatz um 5,8 Prozent auf 263,9 Mrd.DM gesteigert.

Ein Subventionsabbau nach der "Rasenmähermethode" um pauschal zehn Prozent sei sicherlich auch ungerecht."Wesentlich ungerechter wäre es jedoch, wenn solche Subventionsempfänger verschont blieben, die den meisten öffentlichen Druck auf die Politik machen können", sagte Verbandspräsident Reuther.Alternativ zur Zehn-Prozent-Kürzung sei auch ein Stufenmodell denkbar, beispielsweise eine Kürzung von fünf Prozent im ersten Jahr, im zweiten Jahr um zehn Prozent und im dritten Jahr um 15 Prozent.

Die Politik müsse allerdings klare Entschlüsse treffen.In ein Paket, bestehend aus Subventionsabbau und staatlichen Eingriffen in den Marktmechanismus, müsse auch die Senkung der Steuerlast für die Unternehmen aufgenommen werden."Das Argument, der Widerstand einzelner Interessengruppen verhindere, daß auf dem Feld der Subventionskürzung etwas geschieht, mag ich jedenfalls nicht gelten lassen", sagte Eberhard Reuther.

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