Wirtschaft : Massive Verluste an den Weltbörsen

FRANKFURT(MAIN) / NEW YORK ((Tsp).).Die Angst vor einer weltweiten Rezession hat an den Börsen am Donnerstag zu drastischen Kursverlusten geführt.Im Sog von Amerika und Japan fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) um zweitweise über sieben Prozent und damit auf das Niveau von Anfang des Jahres.Auch in Paris und London gaben die Kurse nach.Der US-Dollar wurde zum Fixing mit nur noch 1,6465 DM notiert.Das sind fast drei Pfennig weniger als ein Tag zuvor.Der Kurseinbruch an den deutschen Börsen vom Donnerstag ist der bisher stärkste Rückgang an den Aktienmärkten in diesem Jahr.Zuletzt war das deutsche Börsenbarometer im August um knapp sechs Prozent zurückgefallen.Davor war es im Oktober 1997 zu einem Rückschlag von über acht Prozent gekommen und beim großen Börsencrash im Oktober 1989 verzeichnete Frankfurt ein Indexsturz von 12,8 Prozent.In den USA wie in Deutschland kauften Anleger verstärkt Staatspapiere als sichere Anlage.

Händler sprachen von großer Hektik und "panikartigen Verkäufen".Sie begründeten den Rückgang unter anderem mit dem am Vortag veröffentlichen pessimistischen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), der die Wachstumsraten für die Weltwirtschaft angesichts der anhaltenden Finanzkrise in Asien, Rußland und Lateinamerika deutlich nach unten revidiert hatte.Sogar eine weltweite Rezession wurde nicht länger ausgeschlossen.Außerdem halten sich nach wie vor Spekulationen, es gebe weitere Belastungen aus Schieflagen von Risikofonds.

Von einem Crash war an den Märkten am Donnerstag allerdings nicht die Rede.Vor allem Bankentitel standen unter Druck.Man rechne damit, daß sich die Krise in Lateinamerika noch zuspitze, hieß es im Handel.Betroffen wären davon insbesondere auch die deutschen Banken, die hier besonders stark engagiert seien.Natürlich habe das Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung.In Paris gaben die Aktienkurse um rund fünf Prozent, in London um drei Prozent nach.An der Börse in Lissabon wurde der Handel nach Einbrüchen von fast 15 Prozent unterbrochen.Auch Wall Street eröffnete am Donnerstag mit starken Verlusten, nachdem der Handel am Vortag mit einem Verlust von drei Prozent geschlossen hatte.

Nach wie vor zeigten sich die Investoren auch enttäuscht über die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, die Zinsen für Tagesgeld nur um 0,25 Prozent zurückzunehmen und kein deutlicheres Zinssignal zu geben.Allerdings gab der US-Dollar in Erwartung weiterer Zinsschritte der Fed weiter nach.Am Donnerstag rutschte der Greenback zum Fixing auf das niedrigste Niveau seit Februar 1997.Das entspricht einem 19-Monats-Tief.Trotz der Zinssenkung in Amerika, ließ die Deutsche Bundesbank die Leitzinsen am Donnerstag unverändert.Diskont- und Lombardsatz betragen unverändert 2,5 Prozent bzw.4,5 Prozent.Der Wertpapierpensionszins liegt nach wie vor bei 3,3 Prozent.Die Erwartungen, daß die Bundesbank auch bis auf weiteres auf Kurs bleibe, führte zu einer deutlichen Nachfrage nach deutschen Anleihen.Die Umlaufrendite sank auf ein Rekordtief von 3,79 Prozent.Ernst Welteke, Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank, sprach sich unterdessen erneut gegen eine Zinssenkung vor Beginn der Europäischen Währungsunion aus.Im Deutschlandfunk sagte der Präsident der hessischen Landeszentralbank, der Zwang zur Vereinheitlichung werde später in allen Ländern der Währungsunion zu niedrigren Zinsen führen.Außerdem könne man nicht automatisch davon ausgehen, daß niedrigere Zinsen zu einer Entspannung am Arbeitsmarkt führten.

In Tokio reagierten die Börsianer außerdem negativ auf den neuen Quartalsbericht der Zentralbank.Der vierteljährlich erscheinende Konjunkturbericht der japanischen Notenbank gilt als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft.In der Folge fiel der Nikkei-Index weiter um knapp zwei Prozent auf ein neues Zwölf-Jahres-Tief.Der weltweit stark beachtete Tankan-Bericht hatte ergeben, daß sich die Stimmung unter den Unternehmen vor dem Hintergrund der schweren Finanzkrise erheblich verdüstert hat.Auch am Tokioter Markt waren die Bankaktien besonders betroffen.Nach Einschätzung von Fachleuten betrug der Buchverlust für 18 von 19 Großbankwerten insgesamt umgerechnet über 47 Mrd.DM.

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