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Massiver Stellenabbau bei Volkswagen : VW will mit Vollbremsung aus der Krise

Volkswagen will weltweit bis zu 30.000 Jobs streichen, den Großteil in Deutschland. Die Stammbelegschaft soll bis 2025 vor Kündigungen geschützt sein.

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Etwa 20.000 Stellen sollen in deutschen VW-Werken wie diesem offenbar wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es wohl nicht geben.
Etwa 20.000 Stellen sollen in deutschen VW-Werken wie diesem offenbar wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es wohl nicht...Foto: dpa

Europas größter Autokonzern Volkswagen will mit dem größten Stellenabbauprogramm seit zehn Jahren einen Weg aus der Dauerkrise finden und sich aufstellen für das Zeitalter der Elektromobilität. Vorstand und Gesamtbetriebsrat präsentierten am Freitag in Wolfsburg einen „Pakt für mehr Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit“ bei der Kernmarke Volkswagen. Der Plan sieht den Abbau von 30 000 der weltweit 215000 Stellen in den nächsten Jahren vor. In Deutschland sollen 23000 der 120000 Stellen wegfallen.

Man wolle Produktion und Verwaltung deutlich verschlanken, hieß es. Mit dem Programm sollen die Kosten vom Jahr 2020 an um jährlich 3,7 Milliarden Euro sinken. „Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den kommenden Sturm wappnen“, teilte VW-Markenchef Herbert Diess mit. Damit bezog er sich offenbar nicht nur auf Schadenersatzansprüche von Autokäufern auf der ganzen Welt, die seit Aufkommen des Abgasskandals Forderungen in Milliardenhöhe an den Hersteller richten. Anders als Audi, Porsche und andere Marken der VW-Gruppe galt die Kernmarke bereits vor Ausbruch des Skandals als renditeschwach und vergleichsweise schlecht auf eine Zukunft ohne Verbrennungsmotoren vorbereitet.

Sowohl der bei Volkswagen besonders einflussreiche Betriebsrat wie auch das Land Niedersachsen, das rund ein Fünftel der Anteile an dem Unternehmen hält, tragen diesen Plan mit – vor allem, weil der Autobauer auf ein freiwilliges Ausscheiden der Mitarbeiter setzt und auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende des Jahres 2025 komplett verzichten will. „Das sind neun Jahre ohne Angst“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Der Pakt habe Licht und Schatten, er stelle nach langem Ringen einen tragbaren Kompromiss für beide Seiten dar. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bedauerte den Jobabbau, nannte ihn jedoch „nötig“.

Die Aufdeckung des Abgasskandals bei VW durch eine US-Umweltbehörde im September 2015 hatte eine Welle von Ermittlungen auch gegen andere Hersteller ausgelöst und Experten veranlasst, zum Beispiel die in Prospekten angegebenen Verbrauchs- und Abgaswerte nachzumessen. Mitte dieser Woche hatte der Forschungsverbund ICCT Ergebnisse präsentiert, wonach neue Fahrzeuge zum Beispiel bis zu 42 Prozent mehr Sprit verbrauchen und entsprechend mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstoßen als angegeben. „Damit Verbraucherinnen und Verbraucher beim Autokauf auch die Betriebskosten einschätzen können, müssen sie sich auf die Herstellerangaben verlassen können“, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, dem Tagesspiegel. Die Mehrkosten beim Spritverbrauch und eventuell drohende Nachforderungen bei der Kfz-Steuer dürften nicht beim Verbraucher hängen bleiben. Er forderte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, für Transparenz zu sorgen. Die Ergebnisse des Kraftfahrtbundesamts zum Abgasskandal müssten endlich veröffentlicht werden.

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