Medien : Die Ungewissheit zum Fest bei ProSiebenSat.1

Die Verunsicherung bei ProSiebenSat.1 durchzieht alle Konzernbereiche. Schwache Quoten, zu wenig Werbeeinnahmen und anhaltende Spekulationen über Teilverkäufe schlagen kurz vorm Fest bei der Belegschaft aufs Gemüt.

Axel Höpner
ProSiebenSat1
Gemischte Signale aus dem ProSiebenSat.1-Konzern. -Foto: dpa

MünchenBei Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1 ist die Festtagsstimmung etwas getrübt. Im vergangenen Jahr hatten die Mitarbeiter bei der betriebsinternen Weihnachtsfeier den Verkauf des Unternehmens an KKR und Permira begossen. Die Übernahme durch die in der Medienbranche erfahrenen Finanzinvestoren galt nach langer Unsicherheit als Wunschlösung. Wenn sich Vorstandschef Guillaume de Posch nun am 13. und 14. Dezember auf Betriebsversammlungen in München und Berlin den Mitarbeitern stellt, wird es auch bange Fragen geben. "Es ist eine gewisse Ernüchterung eingekehrt", sagt ein Unternehmens-Insider. Nach dem zweiten Verkauf an einen Finanzinvestor und der milliardenschweren Übernahme der europäischen Senderkette SBS, die auch KKR und Permira gehörte, steht der Konzern vor großen Herausforderungen.

Im vergangenen Jahr hatte ein Finanzkonsortium um den US-Milliardär Haim Saban den TV-Konzern mit hohem Gewinn an KKR und Permira verkauft. Die neuen Besitzer wollen den Wert der Gruppe nun durch die Verschmelzung mit SBS weiter erhöhen. Nach einem Durchhänger zur Jahresmitte mit teils schwachen Quoten und der heftigen öffentlichen Kritik an der Streichung von zwei Boulevardmagazinen läuft es derzeit insgesamt ganz gut in dem neuen Großkonzern. "Als paneuropäische Fernsehgruppe ist ProSiebenSat.1 breiter und krisensicher aufgestellt", sagt de Posch. In erster Linie dank der SBS-Übernahme rechnet ProSiebenSat.1 in diesem Jahr mit Zuwächsen bei Gewinn und Umsatz.

Schwache Werbeerträge für den Konzern

Von der Branche gibt es - trotz Wirtschaftsaufschwungs - derzeit gerade auf dem Heimatmarkt nur wenig Rückenwind. Zwar kommen die Landesmedienanstalten in einer aktuellen Studie zu dem Schluss: "Der private Rundfunk hat die Werbekrise überwunden." ProSiebenSat.1 geht aber davon aus, dass der TV-Werbemarkt in diesem Jahr nur um ein bis zwei Prozent wachsen wird. Umso hilfreicher sei da die Integration von SBS, sagt de Posch. "Die Dynamik der anderen europäischen Märkte konnte die verhaltene Entwicklung des deutschen Marktes im dritten Quartal mehr als kompensieren." SBS ist vor allem in Benelux und Osteuropa stark vertreten.

Allerdings war der Kaufpreis, den ProSiebenSat.1 an die eigenen Besitzer zu zahlen hatte, mit 3,3 Milliarden Euro nach Einschätzung in der Branche und von Analysten hoch. "Die SBS-Übernahme war strategisch richtig, aber aus meiner Sicht völlig überteuert", sagt zum Beispiel UniCredit-Analyst Friedrich Schellmoser. "Die haben eine enorme Verschuldung aufgebaut." Eine Konzern-Sprecherin betont dagegen: "Die SBS-Übernahme ist eine einmalige strategische Chance gewesen, zu einer führenden paneuropäischen TV-Gruppe aufzusteigen."

Schwache Quoten im Sommer

Die Netto-Finanzverbindlichkeiten lagen zuletzt bei 3,5 Milliarden Euro. Zwar muss das Unternehmen vor diesem Hintergrund weitere Einsparpotenziale suchen. In Unternehmenskreisen geht man aber davon aus, dass zum Beispiel die zeitweiligen Quotenprobleme bei Sat.1 nicht auf fehlende Investitionen zurückzuführen sind. "Die Quote kann man nie vorhersagen. In der Branche muss man auch einmal mit Flops leben." Auch Analyst Schellmoser sieht bisher keine Anzeichen dafür, dass ProSiebenSat.1 massiv am Programm spart. "Das wäre auch ein fataler Fehler."

Schwerpunkt im neuen Jahr ist bei ProSiebenSat.1 die weitere Integration von SBS, die bisher gut vorankommt. Allerdings könnte ein radikaler Schritt noch folgen. Der Konzern erwägt, seine hauseigene Produktionssparte mit rund 1000 Mitarbeitern zu verkaufen oder einen Partner zu suchen. "Ich glaube, das würde strategisch Sinn machen", sagte Finanzvorstand Lothar Lanz. Interessenten sind der französische Konzern Thomson gemeinsam mit Siemens sowie die Produktionsfirma Red Bee Media (früher BBC Broadcast) und IBM auf der anderen Seite. (mac/dpa)

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