Medienbericht : Facebook will Nutzer dauerhaft orten

Facebook plant angeblich eine neue App, die Freunde in der Umgebung findet. Dafür wird der Standort permanent abgefragt. Dem Netzwerk würde das ganz neue Werbemöglichkeiten eröffnen.

Wissen, wo du bist ... mit Facebook soll das bald kein Problem mehr sein. Die erste Anwendung dieser Art ist das aber nicht.
Wissen, wo du bist ... mit Facebook soll das bald kein Problem mehr sein. Die erste Anwendung dieser Art ist das aber nicht.Foto: Reuters

Facebook will mit einer neuen Anwendung laut einem US-Medienbericht den aktuellen Aufenthaltsort seiner Mitglieder verfolgen, um sie über Freunde in ihrer Nähe zu informieren. Die App solle Mitte März herauskommen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen.

Das Programm solle auf einem Smartphone ständig im Hintergrund laufen, auch wenn es nicht geöffnet sei, hieß es. Mit den Daten könnte Facebook seinen Nutzern auch ortsbezogene Werbung einblenden.

Eine solches Programm könnte für neuen Streit zwischen Facebook und den Datenschützern sorgen. Während die Nutzer der permanenten Erfassung ihrer Ortsinformationen durch eine neue App wohl ausdrücklich zustimmen müssten, sicherte sich Facebook in seinen Nutzungsbedingungen bereits die grundsätzliche Erlaubnis, für seine Dienste auch GPS-Daten zu verarbeiten. Das Online-Netzwerk erklärte auf Anfrage, man kommentiere keine Gerüchte.

Gute Zahlen, schlechte Zahlen - Tech-Firmen im Fokus der Anleger
Facebook hat den stärksten Anstieg der Werbeeinnahmen seit dem Börsengang im vergangenen Jahr verbucht. Dadurch erhöhte sich der Umsatz im vierten Quartal um 40 Prozent auf 1,59 Milliarden Dollar, wie das weltgrößte soziale Netzwerk am Mittwoch mitteilte. Den Nettogewinn bezifferte Facebook auf 64 Millionen Dollar nach einem Plus von gut 300 Millionen vor einem Jahr. Börsianer waren jedoch mit der Geschäftsbilanz offenbar nicht zufrieden: Die Aktie fiel nachbörslich um sechs Prozent. Die Werbeeinnahmen steigerte das Unternehmen um 41 Prozent auf 1,33 Milliarden Dollar. Davon entfielen 23 Prozent auf das Geschäft mit mobilen Diensten. Investoren fürchten seit längerem, dass Facebook die wachsende Zahl von Nutzern mit Smartphones und Tablets nicht richtig zu Geld machen kann. Diese Sorgen waren einer der Gründe für das misslungene Börsendebüt im Mai. (Reuters)Weitere Bilder anzeigen
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30.01.2013 23:00Facebook hat den stärksten Anstieg der Werbeeinnahmen seit dem Börsengang im vergangenen Jahr verbucht. Dadurch erhöhte sich der...

Schon in der Vergangenheit zeigten sich auch deutsche Datenschützer besorgt, dass sich bei Facebook mit seiner über einer Milliarde Nutzern zu viele Informationen über zu viele Menschen in einer Hand sammelten. So sahen sie zum Beispiel die automatische Gesichtserkennung in Facebook-Fotos sehr kritisch, die Nutzern helfen sollte, Freunde schnell in Bildern zu markieren. Die Funktionen wurde nach Einwänden der Datenschützer in Europa auf Eis gelegt.

Es gibt bereits verschiedene Dienste, die mit dem Einverständnis der Nutzer permanent auf ihren Aufenthaltsort zugreifen können. So bietet Apple auf seinen iPhones die App „Freunde“ an, mit der ein Nutzer sehen kann, wo sich gerade seine Bekannten aufhalten. Man erteilt sich dabei gegenseitig die Erlaubnis, den Aufenthaltsort zu sehen.

Eine App, die stärker auf Ortungsdaten setzt, würde zum aktuellen Kurs von Facebook passen, das mobile Geschäft in den Vordergrund zu stellen. Die Mitglieder laufen schnell vom PC auf Smartphones und Tablets über. Im vergangenen Quartal griffen von den mobilen Geräten erstmals mehr tägliche Nutzer auf das Netzwerk zu als von Notebook oder Desktop. Bis vor kurzem war das Werbesystem von Facebook aber vor allem auf die PC-Welt ausgerichtet.

Im vergangenen Jahr begann das Netzwerk umzusteuern und die Werbeeinnahmen von mobilen Geräten machten zuletzt ein Viertel der Anzeigenerlöse aus. Werbung ist die wichtigste Geldquelle von Facebook, damit ist es überlebenswichtig, sich auf Smartphone und Tablet zu etablieren. (dpa)

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