Wirtschaft : Medienbranche: Porträt Michael Kölmel: Größenwahnsinniger Tellerwäscher

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Der promovierte Volkswirt und studierte Mathematiker Michael Kölmel neigt zu pastoralen Tönen. Wenn der Kinowelt-Chef in leisem Badisch über Hollywood und das große Geschäft der Traumfabriken spricht, klingt das wie ein Glaubensbekenntnis. Kein Zweifel: Kölmel ist leidenschaftlicher Cineast und ein ebensolcher Unternehmer. Dass er auch eine Anlage zum Größenwahn hat, ahnten bisher nur Insider. Spätestens, seit Kölmel in Hollywood 560 Millionen Mark für ein Filmpaket von Warner Brothers hinblätterte und die mächtigen Konkurrenten Kirch und Bertelsmann ausstach, wächst die Zahl der Beobachter, die an seiner Bescheidenheit zweifeln. Viel zu teuer, so lauteten schon beim Vertragsabschluss mit Warner die Kommentare der Kritiker. Doch damals lag die Börse noch im Fieber und die Anleger kauften sich mit hohem Einsatz in die Medienindustrie ein. Kölmel konnte aus dem Vollen schöpfen, spielte Millionen beim Börsengang ein, baute seinen Betrieb zu einem der größten deutschen Verleiher und Filmrechtehändler aus und katapultierte Kinowelt auf einen Börsenwert von 1,6 Milliarden Euro. Die Aktie kletterte bis fast 88 Euro - der Lohn für eine Tellerwäscherkarriere. 1984 hatte der "Romantiker in der harten Kinowelt" ("FAZ") zusammen mit seinem Bruder Rainer und 8000 Mark Startkapital begonnen, Filme zu kaufen. Allein mit den Rechten an "Der englische Patient" erwirtschaftete Kölmel 1996 einen Umsatz von 25 Millionen Mark. Ein Erfolg jagte in den Jahren darauf den nächsten. Bis es sich Kölmel mit Kirch, Bertelsmann und deren Fernsehsendern verscherzte, die nicht bereit waren, die teuren Rechte an den Warner-Filmen der Kölmels zu bezahlen.

Die Gunst der Börse verspielte Kölmel zum ersten Mal, als er - aus der Not geborene - Pläne für die Gründung eines eigenen TV-Senders präsentierte. Dort wollte er die Ladenhüter von Warner selber abspielen. Nach einem Kurssturz der Aktie und Protesten der Medien-Analysten zog er das Vorhaben kleinlaut zurück. Bis heute bindet das Filmpaket Millionen, die Kinowelt dringend bräuchte. "Das Gute an der Börse ist, dass sie übertriebenen Optimismus radikal bestraft", sagte Kölmel im Januar im Tagesspiegel-Interview. Dass dabei auch Kinowelt zum Penny Stock werden könnte - daran hatte er sicher nicht gedacht.

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