Wirtschaft : Medienbranche: Wenig Glamour bei den Medienaktien

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Der Erfolg von Medienfirmen hängt vom Geschmack der Zuschauer ab. So das Fazit der Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) in einer aktuellen Studie über die Branche. Nur wenn die Kinos voll sind, Fernsehsender die Filme kaufen und die Videos ordentlich Absatz finden, verdienen die Firmen. Die Binsenweisheit spiegelt sich am Neuen Markt wider: Allein die Firmen, die laufend gute Titel im Angebot hatten, sind an der Börse halbwegs gut davon gekommen.

Beispiel Constantin Film AG: Obwohl der Münchener Filmproduzent von zahlreichen Analysten seit Monaten als einer der besten Medienwerte gelobt wird, fiel die Aktie im ersten Halbjahr von 15 auf derzeit rund zehn Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hatte die Firma von Bernd Eichinger einfach zu wenig gute Streifen auf die Leinwände gebracht. Mit der Western-Parodie "Der Schuh des Manitu" hat Constantin hier zu Lande zuletzt allerdings mehr als sechs Millionen Zuschauer ins Kino gelockt und damit die Grundlage für ein besseres zweites Halbjahr gelegt.

Rund 40 Medienfirmen sind am Neuen Markt notiert - von Filmproduzenten wie Constantin und Senator bis zum TV-Kanal Viva, dem Verlagshaus Computec und dem angeschlagenen Lizenzhändler EM-TV. Viele dieser Unternehmen stecken so tief in den roten Zahlen, dass Analysten ihnen zum Teil wenig Überlebenschancen einräumen. Viele dieser Aktien sind zu Penny Stocks verkommen, notieren also wie die Papiere der Filmfirma Advanced Medien seit Monaten weit unter einem Euro.

Die Medien-Stars lassen sich dagegen an einer Hand abzählen. Die Filmfirmen Constantin und International Media gehören dazu: "Diese Premium-Anbieter sind besser aufgestellt als ihre Wettbewerber, weil sie die Inhalte selbst bestimmen und deshalb den größten Gewinn aus den wachsenden Vertriebsmöglichkeiten ziehen können", urteilt CSFB. Bei Constantin beeindruckt die Analysten vor allem die lange Liste erfolgreicher Eigenproduktionen. Mit der Kirch-Gruppe hat Constantin zudem einen mächtigen Großaktionär. International-Media ist nach Ansicht vieler Banker insbesondere durch seine internationale Ausrichtung den meisten Wettbewerbern hier zu Lande voraus.

Mit einem guten Ergebnis im ersten Halbjahr und einem ebenso ordentlichen Ausblick für den Rest des Jahres konnte zuletzt auch die Senator Entertainment AG die Analysten überzeugen. Durch Filme wie "Chocolat" hatten die Berliner in den vergangenen Monaten den Geschmack der Kinogänger getroffen.

Dass sich auch im schwierigen Markt für Kinderunterhaltung Geld verdienen lässt, zeigt die Münchener TV Loonland AG. Umsatz und Gewinn legten im ersten Halbjahr kräftig zu. Zudem ist die Aktie nach Ansicht von ABN Amro im Vergleich mit den europäischen Wettbewerbern günstig bewertet. Die Stärken von TV Loonland: Die 1989 gegründete Firma hat in der Trickfilmbranche einen guten Namen, ist schuldenfrei und mehr als 90 Prozent aller Einnahmen fließen aus dem Ausland. Vom Inlandsverkauf abhängige Firmen sind in den vergangenen Monaten in Schwierigkeiten geraten, weil die deutschen Privatsender wenig abgenommen haben. Für Kursphantasie könnte im Herbst freilich ausgerechnet die angeschlagene EM-TV AG sorgen: Der neue Vorstandschef Werner Klatten hat bereits angekündigt, andere Firmen am Neuen Markt übernehmen zu wollen.

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