Wirtschaft : Medienkonzern plant eigenen TV-Sender und will bei TV-Rechten für Fußballbundesliga mitbieten

tmh

Die Münchner Kinowelt Medien AG setzt ihren aggressiven Wachstumskurs fort. Im laufenden Jahr werde der Umsatz um zwei Drittel auf 630 Millionen Mark wachsen, nachdem er schon 1999 um gut vier Fünftel auf 382 Millionen Mark zugelegt habe, kündigte Vorstand Eduard Unzeitig zur Bilanzvorlage in München an. Auch im Ergebnis vor Steuern und Zinsen steuert der im Neuen Markt notierte Aufsteiger mit einem geplanten Plus von 55 Prozent auf 101 Millionen Mark auf ein neues Rekordjahr zu. 1999 hatten sich die Gewinne auf 65 Millionen Mark mehr als verdreifacht.

Das für dieses Jahr anstehende Wachstum werde überwiegend intern erwirtschaftet, sagte Unzeitig. Bis 2002 wolle der Film- und Rechtehändler ohne Zukäufe bei 170 Millionen Mark Gewinn vor Zinsen und Steuern 940 Millionen Mark Umsatz verbuchen. In dieser Prognose seien jedoch Anlaufverluste für einen erwogenen eigenen TV-Sender in Höhe von 80 bis 100 Millionen Mark bereits eingerechnet. Ob dieser neue Sender wirklich Anfang 2001 gestartet wird, sei noch offen, sagte Vorstand Rainer Kölmel. Statt eines ursprünglich angedachten Aufbaus aus eigener Kraft hält er nun eine Kooperation mit einem anderen TV-Programmanbieter für möglich. Die Übernahme eines bestehenden Senders wie tm 3 schloss Kölmel aus. Vielmehr könne es sich um einen Digitalsender handeln, der im Zentrum der Internetstrategie von Kinowelt steht. Für dieses Online-Geschäft kündigte Unzeitig weitere Zukäufe an. Alle Internetaktivitäten sollen unter der Adresse "Kinowelt.de" gebündelt werden.

Mitbieten wollen die Münchner ferner um die TV-Rechte für die Fußballbundesliga, wo eine Entscheidung erst Mitte/Ende Mai falle. In der 1999 defiztären Merchandising-Sparte hofft das Medienhaus, die Vermarktungsrechte für den Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt erwerben zu können. Dazu gebe es Verhandlungen, aber noch keine Entscheidung, sagte Unzeitig. Neben einem weiteren Ausbau des Hauptgeschäfts mit TV-Rechten auch in Osteuropa würden ferner verstärkt Filme selbst produziert. Vom Zusammenrücken unter Deutschlands TV-Sendern und den dadurch entstehenden Senderfamilien gehe im Übrigen keine Gefahr für die eigene Ertragskraft aus, meinten Kölmel und Unzeitig. Mit einer Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen von 32 Prozent ist der TV-Lizenzhandel die tragende Säule des Geschäfts.

Finanzieren will Kinowelt ihre ehrgeizigen Pläne unter anderem durch die Ausgabe einer Wandelanleihe in Höhe von 200 bis 400 Millionen Mark, die "in den nächsten Monaten" auf den Markt kommen dürfte, sagte Unzeitig. Auch Börsengänge von Töchtern seien geplant. Der börsennotierte Medienkonzern beschäftigte Ende 1999 gut 340 Mitarbeiter und wurde am Parkett zuletzt mit rund 2,8 Milliarden Mark bewertet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben