Medizintechnik : Die Kanzlerin und die Knieprothesen

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Otto Bock Health Care und lässt sich erklären, wie modernste Computertechnik Menschen mit körperlichen Handicaps helfen kann.

Heidi Niemann

Duderstadt - „Das ist ja wirklich eine unglaubliche Steigerung der Lebensqualität.“ Angela Merkel zeigte sich beeindruckt. Die Bundeskanzlerin besuchte am Mittwochnachmittag den Weltmarktführer für Prothetik, die Otto Bock Health Care im beschaulichen Duderstadt bei Göttingen. Merkel ist mit Ministerpräsident Christian Wulff unterwegs in der „Innovationsregion Südniedersachsen“. Beim Familienunternehmen Otto Bock lässt sie sich erklären, wie modernste Computertechnik Menschen mit körperlichen Handicaps helfen kann. Das bekannteste Produkt ist das C-Leg, die weltweit erste Beinprothese mit einem mikroprozessorgesteuerten Kniegelenk. „Mit der Prothese kann ich auch laufen und springen“, erzählt Sven Zarling der Kanzlerin. Zarling wurde im Alter von acht Jahren der Oberschenkel amputiert. Heute arbeitet er im Bereich Entwicklung des Medizintechnikherstellers.

„Die Böcke“, wie Kunden und Mitarbeiter das Unternehmen augenzwinkernd nennen, sind seit 1988 einer der größten Sponsoren der Paralympics und die Kanzlerin ist seit kurzem Schirmherrin des Förderkreises Behindertensport – auch das ist ein Grund für die Visite im Harz. Dort demonstrierte etwa Carl-Heinz Ammon eine weitere technische Innovation, das elektronisch gesteuerte Ellbogengelenk „DynamicArm“. Ammon verlor seinen Oberarm 2001 bei einem Arbeitsunfall, doch jetzt kann er wieder acht Stunden täglich am Flughafen arbeiten. Özgur Koca zeigt der Kanzlerin, wie er sich per Knopfdruck mit seinem High-Tech-Rollstuhl bewegen kann.

Innovationskraft sei die besondere Stärke des Unternehmens, sagt der vielfach mit Ehrungen ausgezeichnete Firmenchef Hans Georg Näder, der das 1919 in Berlin gegründete Familienunternehmen in dritter Generation führt. Heute ist es ein Global Player mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und den USA sowie Vertriebs- und Servicegesellschaften in 40 Ländern. Die Otto Bock Health Care habe immer wieder Technologiesprünge vollführt und Erkenntnisse der Neurowissenschaften genutzt, sagt Näder.

Die Otto-Bock-Firmengruppe ist zuletzt stark gewachsen. Der Umsatz lag 2006 bei knapp 450 Millionen Euro. Weltweit beschäftigt die Firmengruppe mehr als 4000 Mitarbeiter. Zu ihr gehören auch die Kunststoffholding, die Schaumstoffe und Schaumsysteme für die Automobilindustrie produziert, und der IT-Dienstleister Sycor. Vorbildlich sei, sagt Merkel, dass das internationale Wachstum immer auch mit einer Ausweitung der Beschäftigung in Deutschland verbunden gewesen sei. Otto Bock investiert jetzt auch Millionen in eine Vertretung mit Showroom am Potsdamer Platz in Berlin.

Die High-Tech-Prothese „C-Leg“ hat übrigens schon einmal Leben gerettet: Am 11. September 2001 rannte der Computerspezialist Curtis Grimsley damit aus dem 70. Stockwerk des World Trade Centers in New York 1500 Treppenstufen hinunter auf die Straße. Heidi Niemann

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