Wirtschaft : Megafusion der bayerischen Großbanken

Durch den Zusammenschluß von Vereins- und Hypobank entsteht das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut

MÜNCHEN (tmh).Mit der geplanten Verschmelzung der Bayerischen Vereinsbank (BV) AG und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG, beide München, dürfte die deutsche Bankenwelt die erste Fusion zweier Großinstitute erleben.Die neue Nummer zwei unter Deutschlands Banken soll unter dem Namen Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG firmieren, gaben Hypo-Chef Eberhard Martini und sein Kollege Albrecht Schmidt von der Vereinsbank am Montag bekannt.Addiert verfügt der neue Riese über eine Bilanzsumme von 743 Mrd.DM und gut 40 000 Beschäftigte.Die Gewerkschaften befürchten, daß mehrere tausend Stellen gestrichen werden.Das Kartellamt muß der Fusion noch zustimmen. Beabsichtigt sei ein "Zusammenschluß unter Gleichen", betonten Schmidt und Martini.Keiner wolle den anderen dominieren.Die für Frühjahr 1998 angepeilte Fusion sei ein Glücksfall, schwärmte Martini, dessen Haus sich als der vermeintlich schwächere der beiden Partner präsentiert.Allein seien beide Institute für den globalen Wettbewerb zu klein.Zu zweit verfüge man über eine gute Position zur Expansion insbesonders in Deutschland und Europa."Wir werden für lebendigen Wettbewerb zwischen Frankfurt und München sorgen", kündigte Martini an.International seien Zukäufe speziell in der Sparte Investmentbanking geplant.Mit 3,5 Millionen Kunden haben BV und Hypo in Deutschland derzeit einen Marktanteil von etwa 5,5 Prozent. Die Fusion soll in zwei Schritten erfolgen.Die BV will zunächst 45 Prozent der Hypo-Anteile erwerben.Dazu bietet sie den Hypo-Aktionären für je sechs Hypo-Aktien eine Aktie der Versicherung Allianz AG aus ihrem Portfolio im Tausch, was einem Wert von 75 DM pro Hypo-Aktie - sie notierte zuletzt mit 58,50 DM - und einem Gesamtvolumen von etwa 9 Mrd.DM entspricht.Nach dem Tausch will die BV ihr Kapital um nominal 150 Mill.DM erhöhen.Den Hauptversammlungen werde dann im Frühjahr 1998 das genaue Umtauschverhältnis vorgelegt.Danach werde eine Bank auf die andere fusioniert, wobei die BV das aufnehmende Institut sein dürfte. Der Zusammenschluß wird nach BV/Hypo-Berechnungen pro Jahr ein Einsparpotential von rund 1 Mrd.DM freisetzen, das binnen fünf Jahren erreicht sein soll.Dem stünden bis zum Jahr 2000 Restrukturierungskosten von 1,3 Mrd.DM gegenüber.Als Zwischenziel bis zum Jahr 2000 nannte Schmidt angesichts eines starken Gewinnsteigerungspotentials eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 15 Prozent.Darüber hinaus gebe es anspruchsvollere Vorstellungen.Angesichts der ähnlichen Struktur beider Banken und ihrem regionalen Schwerpunkt in Süddeutschland bezeichnete ein Sprecher der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) einen 20prozentigen Stellenabbau als "durchaus wahrscheinlich".Das entspricht rechnerisch 8000 Menschen.Auch ein Viertel der zusammen 1312 deutschen Filialen stünden auf dem Spiel.Zu gleichen Stellen- und Filialeffekten kommt eine aktuelle Studie der Westdeutschen Landesbank.Im Gespräch war zuletzt auch ein Zusammengehen von BV und Deutscher Bank oder Dresdner und Hypo-Bank.Die jetzt auf dem Tisch liegende bayerische Lösung sei die attraktivste Variante, warb Martini.Das gelte auch für die Arbeitsplätze angesichts der Expansionspläne des neuen Bankenriesen.Stellenabbau werde aber nicht ausbleiben.Dazu wolle man die natürliche Fluktuation von jährlich rund 2000 Mitarbeitern bei beiden Häusern nutzen.Konkrete Angaben zum Stellenabbau lehnte der Bankier ab. Die bayerische Elefantenhochzeit ist noch von der Zustimmung des Kartellamts abhängig, mit der Schmidt und Martini rechnen.Stimmt die Berliner Behörde zu, entsteht das hinter der Deutschen Bank größte Institut Deutschlands, Europas größter Immobilienfinanzierer und eine der fünf größten europäischen Banken überhaupt.Sie werde Kunden, Aktionären und Mitarbeitern deutliche Vorteile bringen, warb Martini für die Fusion.Die Fusion sei ein wichtiger Schritt zur notwendigen Konsolidierung des deutschen Bankenmarkts, sagte Schmidt.Zudem werde der Finanzplatz München gestärkt.Die Allianz, die neben dem Land Bayern als "Trauzeuge" der Bankenehe gilt, begrüßte den Zusammenschluß.Sie kontrolliert rund ein Viertel der Hypo-Anteile und 4 Prozent der BV.Die Allianz behält ihre Hypo-Anteile und will mit etwa 15 Prozent Großaktionär des neuen Instituts werden.Weitere Aktionäre wären, gemessen an ihren heutigen Anteilen, die Münchener Rück mit 7,5 Prozent, das Land Bayern und die Viag mit je 7 Prozent sowie die Deutsche Bank mit 2 Prozent.

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