Wirtschaft : Mehr Arbeitsplätze für Berlin

Wirtschaftsförderer: Dieses Jahr wird besser als 2005 / Erfolgreiche WM / Gemeinsam mit Brandenburg Angebot für Toyota vorbereitet

Alfons Frese

Berlin - Die Berliner Wirtschaftsförderung ist in diesem Jahr erfolgreicher als 2005. „Die Akzeptanz Berlins ist größer geworden“, sagte Roland Engels, Geschäftsführer der Fördergesellschaft Berlin Partner, dem Tagesspiegel. Bis zum Jahresende würden die Partner Unternehmensansiedlungen betreuen, die in der Summe 3500 bis 4000 Arbeitsplätze für Berlin bedeuteten. „2006 wird besser als 2005“, sagte Engels. Im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftsförderer 75 Ansiedlungs- und Expansionsprojekte mit insgesamt 3326 Arbeitsplätzen betreut. Überaus positiv sei die Fußall WM für Berlin gelaufen. „Mit wenig Geld und geringem Ressourceneinsatz haben wir ein tolles Ergebnis erreicht“, sagte Engels. „Das weltweite Medienecho auf das Erscheinungsbild Berlins war bemerkenswert. Aus einer WM in Deutschland wurde eine WM in Berlin.“

Zu den Unternehmensakquisitionen in diesem Jahr gehöre ein Ingenieurbüro aus Japan, das im Bereich Verkehrstechnik mit der TU kooperieren wolle, ein Investor aus der Gesundheitsbranche und aus dem Bereich Medien eine Produktionsgesellschaft sowie ein Spieleentwickler. Eine andere Firma wolle ihre Solarzellenproduktion in Adlershof ausbauen. Zu den Spekulationen, wonach Toyota in Deutschland einen Produktionsstandort für das Oberklassemodell Lexus erwäge, sagte Engels, „wir halten gemeinsam mit Brandenburg ein exzellentes Angebot für Toyota bereit, das liegt in der Schublade“. Allerdings gebe es bislang noch keinen Präsentationstermin, doch Wirtschaftsförderer aus halb Europa würden derzeit Toyota die Türen einrennen. Toyota selbst äußerte sich bislang nicht zu den Plänen.

Die gestiegene Attraktivität Berlins erklärte Engels vor allem mit Infrastrukturprojekten: Der neue Hauptbahnhof, die Gerichtsentscheidung für den Flughafen, die geplante Veranstaltungshalle am Ostbahnhof sowie schließlich die positive Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Adlershof. Das alles zuzüglich der Medienstandorte rund um die Oberbaumbrücke und im Süden Oberschöneweide mit Berlin Chemie ergebe „eine lebendige Achse“ entlang der Spree. Das Areal rund um den Bahnhof „wird sich top entwickeln, es ist eine der absoluten Filetflächen der Stadt, durchaus vergleichbar mit dem Pariser Platz“, meinte Engels. Ihm selbst seien drei Investoren bekannt, die dort tätig werden wollten.

Dagegen zieht der Flughafen Schönefeld vor dem anstehenden Ausbau noch nicht, erst müssten die Planungen abgeschlossen sein. Danach, „in ein bis zwei Jahren, beginnt unsere Arbeit rund um den Flughafen“, sagte Engels. Bis dahin will sich die Fördergesellschaft wie gehabt auf die Felder Life Science, Medien und Verkehr konzentrieren sowie die Wissenschaft stärker nutzen. „In der Wissenschaftslandschaft Berlins sind die Potenziale noch längst nicht gehoben“, hat Engels beobachtet. Derzeit arbeiteten die Berlin Partner an Projekten, mit deren Hilfe Wissenschaft und Wirtschaft zusammengebracht werden sollen.

Die Zusammenarbeit mit den Brandenburger Wirtschaftsförderern funktioniert laut Engels gut. Beispielsweise unterhalten beide Gesellschaften seit ein paar Monaten eine gemeinsame Vertretung in Brüssel. Trotzdem plädiert Engels für eine Fusion der Fördergesellschaften, wie sie auch die derzeitig verantwortlichen Wirtschaftspolitiker der beiden Länder für 2008 anpeilen. Vier Wochen nach dem Ende der WM zog Engels ein überaus positives Fazit, weil die Berliner als einzige Wirtschaftsförderer im so genannten Hospitality-Bereich der Stadien werben durften. Überhaupt sei das Fußballfest eine „hervorragende Gelegenheit gewesen, um in entspannter Atmosphäre Businessgespräche zu führen“.

Seine Gesellschaft habe vom Senat rund 1800 Eintrittskarten für alle möglichen Spiele bekommen, die dann für Kunden und Partnerunternehmen verwendet worden seien. Allein für das Finale konnte Engels etwa 60 Personen einladen, darunter die Unternehmerin Johanna Quandt, die mit einigen Millionen Euro die Charité-Stiftung unterstützt, sowie einen IT-Unternehmer aus Bombay, der mit der Berliner PSI kooperiert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben