Wirtschaft : Mehr Flexibilität für den Airbus

LUTZ BEUKERT (HB)

HAMBURG .Gustav Humbert, Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler Aerospace AG für den Geschäftsbereich Verkehrsflugzeuge, ist kein Anhänger der "Hire and Fire"- Mentalität: Personalaufbau beim Auftragsboom und Entlassungen in der Flaute.Das vor drei Jahren unter dem Namen "Dolores" gestartete Sparprogramm, dem rund 8 000 Arbeitsplätze zum Opfer fielen noch in Erinnerung, plädiert Humbert vielmehr für ein "Zyklenmanagement".Humbert spricht sich dafür aus, ein in der zivilen Luftfahrt tätiges Unternehmen wie Airbus mit einer Stammbelegschaft zu fahren, aber mehr Flexibilität in die Verträge einzubauen.

Nach mehrmonatigen Verhandlungen zwischen der DaimlerChrysler Aerospace Airbus GmbH (Dasa Airbus), deren Vorsitzender der Geschäftsführung Humbert ist, dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall ist nun hier der Durchbruch gelungen.Ein bis Ende 2000 gültiger Zusatztarifvertrag trägt den speziellen Belangen der zivilen Flugzeugindustrie Rechnung, berücksichtigt die Wellenbewegungen von Aufträgen und Orderlöchern.Nach diesem "Pakt für Beschäftigung und Flexibilität", wie Humbert ihn nennt, wird die Belegschaft an den sieben Airbus-Standorten in Deutschland bis Dezember 1999 um insgesamt 850 Mitarbeiter auf 15 315 Beschäftigte aufgestockt.Dies ergibt sich aus 520 Neueinstellungen und einer Übernahme von 330 befristeten und Leiharbeitnehmern, deren Zahl sich dann auf 540 befristete und 500 Leiharbeitnehmer vermindert.Zudem werden 1999 und 2000 jeweils 250 (1998: 238) Ausbildungsplätze mit unbefristeter Übernahme angeboten.Flexibilität wird durch eine Reihe von Maßnahmen gewonnen.So werden zusätzlich zu den heute extern vergebenen Arbeiten weitere Arbeitspakete im Volumen von 300 Arbeitsplätzen fremd vergeben.Um Mitarbeiter befristet einstellen zu können, reicht künftig eine erhöhte Produktion als Begründung aus und die Befristung kann für 24 anstelle der im Flächentarifvertrag vorgesehenen 18 Monate ausgesprochen werden.Schließlich kann für 1400 Tarifbeschäftigte in der Produktion und 140 im Engineering die Arbeitszeit auf freiwilliger Basis auf bis zu 40 Wochenstunden erhöht werden.Dieser Zusatztarifvertrag war in einer Phase der vollen Kapazitätsauslastung leichter zu erzielen, als in Zeiten des Abschwungs, weiß Humbert.

Derzeit stehen die Zeichen auf Hochlauf.500 Airbus-Bestellungen hat das laufende Jahr gebracht, zwei Drittel davon entfallen auf die "kleinen" A320, 321 und 319.Sie haben bei den Bestellungen in diesem Jahr die Reihe der Boeing 737 geschlagen und vereinen mehr als 50 Prozent Marktanteil auf sich.Die Produktion dieser Flugzeuge muß von derzeit 18 pro Monat bis zu Jahr 2 000 auf das Rekordniveau von 22 Maschinen hochgeschraubt werden.Den Auftragserfolg kann Humbert begründen.Dasa Airbus habe die mit dem Sparprogramm "Dolores" verbundenen Ziele voll erfüllt: Die Stückkosten wurden seit 1995 gegen das bis dahin beste Jahr 1992 um 33 Prozent gesenkt; die Durchlaufzeit um 50 Prozent verkürzt, die Abhängigkeit vom Dollar drastisch zurückgefahren.Das Ziel, bei einem Dollarkurs von 1,35 DM wettbewerbsfähig zu sein, sieht Humbert als erfüllt an."Trotz des Preisverfalls von 15 bis 20 Prozent in den letzten zwei bis drei Jahren können wir heute von den Aufträgen leben." Und: "Unsere Kapitalrendite liegt weit über 12 Prozent." Zugleich bleibt als Aufgabe, die Produktivität jährlich um drei Prozent bis fünf Prozent zu steigern und die Airbus-Familie zu komplettieren.Nach "unten" durch die A318 mit rund 100 Sitzplätzen, nach "oben" mit der A3XX, um der Boeing 747 Paroli bieten zu können.

Airbus insgesamt wird in diesem Jahr 50 Prozent Marktanteil nach 41 Prozent im Vorjahr aufweisen.Doch Humbert hält diesen Anteil noch nicht für stabil.Er wurde nur erreicht, weil Boeing von der Asienkrise getroffen kaum Bestellungen für den Jumbo hereinnehmen konnte.Humbert: "Die A3XX-Vorentwicklung muß Ende 1999 fertig sein." In der zweiten Jahreshälfte 1999 müsse Airbus verpflichtende Angebote mit der Lieferung für Ende 2004 gegenüber den Airlines abgeben können.Die A3XX werde für die Airlines interessant sein, wenn sie ihnen zehn bis 15 Prozent Betriebskostenvorteile gegenüber der B747 bietet.

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