Wirtschaft : Mehr Lohn und Jobs für Metaller

BONN / BERLIN (wei/alf).Vier Monate vor Verhandlungsbeginn haben IG Metall und Gesamtmetall ihren Kurs für die Tarifrunde 1999 abgesteckt.Vor dem Hintergrund der guten Wirtschaftslage versprachen die Arbeitgeber reale Lohnerhöhungen und mehr Arbeitsplätze.Die IG Metall bekräftigte erneut das "Ende der tarifpolitischen Bescheidenheit" und will kräftige Lohnzuwäche für die 3,4 Millionen Metaller durchsetzen.Der Dortmunder IG Metall-Bezirksleiter Harald Schartau sagte auf Anfrage, bei den Beschäftigten gebe es "riesige Erwartungen".

Der Präsident von Gesamtmetall, Werner Stumpfe, sagte in Bonn, in diesem Jahr würden in der Metall- und Elektroindustrie voraussichtlich 60 000 bis 65 000 neue Arbeitsplätze geschaffen.Für 1999 stellte Stumpfe eine ähnliche Entwicklung in Aussicht.In der kommenden Lohnrunde wollten die Arbeitgeber fünf Ziele erreichen: die Sicherung der vorhandenen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze, den Abschluß von mehr Ausbildungsverträgen, höhere Einkommen für die Mitarbeiter und eine Annäherung der wirtschaftlichen Lage zwischen den Betrieben in Ost- und Westdeutschland.Die günstige Konjunktur, niedrige Inflationsraten und stagnierende Abgaben sollten die Tarifpartner nutzen, um die bevorstehende Tarifrunde von vermeidbaren Konflikten freizuhalten.Im Rahmen der "neuen Partnerschaft" zwischen IG Metall und Gesamtmetall sollen schon in Kürze Experten beider Seiten zusammentreffen, die eine gemeinsame Einschätzung der wirtschaftlichen Lage erarbeiten.Sie soll Grundlage der Tarifverhandlungen sein, die im Dezember beginnen.Der Tarifvertrag in der Metallindustrie läuft Ende dieses Jahres aus.Die Arbeitgeber gehen davon aus, daß die Produktivität in den Metall- und Elektrobetrieben 1999 um vier Prozent zulegt und die Preise um ein bis eineinhalb Prozent steigen.Es sei außerdem "gut zu wissen", sagte Stumpfe, daß keine Partei Steuern und Abgaben für die Arbeitnehmer erhöhen wolle.

Die IG Metall beziffert den Produktivitätsfortschritt für das nächste Jahr auf mindestens fünf Prozent.In einer Erklärung des Vorstandes wurde darauf hingewiesen, daß sich die Produktivität in der Branche seit 1993 um mehr als 32 Prozent verbessert habe.Die Löhne seien um die Hälfte gestiegen.Angesichts der "hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung" gebe es keinen Grund für lohnpolitische Zurückhaltung.Zumal sich die Tarifpolitik der vergangenen Jahre für die Beschäftigung nicht ausgezahlt habe.Die Arbeitgeber hätten ihr Versprechen, neue Stellen zu schaffen, nicht gehalten.In den vergangen fünf Jahren seien 500 000 Arbeitsplätze abgebaut worden.

Gesamtmetall-Chef Stumpfe forderte, die Gewerkschaft solle auf jene Firmen Rücksicht zu nehmen, die den Anschluß an den Konjunkturaufschwung noch nicht gefunden hätten.Ein "erheblicher Prozentsatz der Unternehmen krebst immer noch in der Verlustzone".Das Angebot der Arbeitgeber setze voraus, daß das konjunkturelle Umfeld in Ordnung bleibe.Erst im späten Herbst werde man wissen, ob die Asienkrise die westeuropäische Industrie stärker als bisher in Mitleidenschaft ziehe.Auch dazu soll die neue Arbeitsgruppe dann einen aktuellen Bericht abgeben.Zugleich plädierte Stumpfe für einen neuen Dialogstil.Die Tarifparteien müßten in Zukunft das Ritual des "Teppichhandels" aufgeben und zu einem offenen und sachlichen Dialog finden."Wir werden jedenfalls darauf verzichten, nach alten Mustern Fronten aufzubauen und statistische Scharmützel zu veranstalten", sagte Stumpfe.

Der Dortmunder IG-Metall-Bezirksleiter Schartau begrüßte den "freundlichen Stil" Stumpfes.Die Beteiligten bemühten sich um eine sachliche Ebene, was die Chancen einer Tarifrunde erhöhe, "in der nicht lange rumgefackelt und nicht ritualisiert wird".In den vergangen Jahren habe es Lohnzuschläge zwischen 1,5 und 2,6 Prozent gegeben, das "Abschlußniveau" in der kommenden Tarifrunde müssen nun "in einer anderen Etage" liegen.Aufgrund des "rasanten Anstiegs der Produktivität" hätten die Beschäftigten "riesige Erwartungen hinsichtlich spürbarer Einkommenserhöhungen".Im November werde die Gewerkschaftsforderung formuliert und damit "das Ende der Bescheidenheit in Mark und Pfennig konkretisiert".

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