Wirtschaft : Mehr Transparenz bei Börsengängen und höheren Streubesitz gefordert

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Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) plädiert mit Nachdruck für transparentere Informationen vor künftigen Börsengängen. Nach Ansicht von DAI-Präsident Max Dietrich Kley sollte ein Emittent schon vor dem Gang an die Börse klar sagen, wie er die Aktien zuteilt, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Generell hält es das DAI für erforderlich, dass die Unternehmen mehr Aktien als bisher breit streuen und zudem von diesem sogenannten "Free Float" nicht auch noch von vornherein Papiere für "Freund und Familie" abziehen. Den Ansturm der Anleger auf Neuemissionen betrachtet das DAI skeptisch: "Viele Anleger zeichnen blind mit der Hoffnung auf einen schnellen Gewinn. Kurssprünge von 100 Prozent und mehr verstärken das Image der Aktie als Zockerpapier und erhöhen die Unzufriedenheit derer, die bei der Zuteilung nicht berücksichtigt werden", sagte DAI-Geschäftsführer Rüdiger von Rosen. Die Probleme lassen sich von Rosen zufolge entschärfen, wenn die Preisspanne bei Börsengängen ausgeweitet wird oder Aktien nach dem Auktionsprinzip zugeteilt werden.

Das DAI kritisiert, dass manche neue Firmen, die an den Neuen Markt gehen, sich wegen des hohen Erwartungsdrucks der Anleger vom eigentlichen Unternehmensziel abwenden und mit dem Geld der Anleger "das Heil" selbst in lukrativen Finanzanlagen suchen. Am Neuen Markt, vermutet von Rosen, tummelten sich auch Unternehmen, die den Qualitätsansprüchen nicht genügten.

Trotz des Aktienbooms der letzten Wochen und Monate und der Rekordzahlen bei den Neuemissionen hat Deutschland in Sachen Aktionäre nach Ansicht von DAI-Präsident Kley immer noch Nachholbedarf. Zwar hätten im vergangenen Jahr rund eine halbe Million Deutsche zum ersten Mal direkt Aktien gekauft. Aber mit insgesamt fünf Millionen Aktionären und einer Aktionärsquote von acht Prozent gemessen an der gesamten Bevölkerung über 14 Jahre hinke Deutschland immer noch deutlich hinter dem westlichen Ausland hinterher. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wenn wir Akzeptanz und Nutzung der Aktie in Deutschland so selbstverständlich machen wollen wie in anderen Industrieländern", sagte Kley.

Allerdings sind Kley und von Rosen optimistisch, dass sich die Lage auch hierzulande rasch verbessert. "Drastische Kurseinbrüche am Neuen Markt wären dafür aber unschön", sagte Kley. Insgesamt dränge aber immer mehr Kapital an die Börse, vor allem auch mit Blick auf die Altersvorsorge. Dies gelte sowohl für den privaten Bereich als auch für die betriebliche Altersvorsorge der Unternehmen. "Mittelfristig bin ich für den Aktienmarkt sehr zuversichtlich", betont Kley. Allerdings erwartet das DAI dabei auch nachhaltige Unterstützung durch den Gesetzgeber. "Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität der Aktie als Instrument der Altersvorsorge sind notwendiger denn je." Dabei geht es von Rosen vor allem um die betriebliche Altersvorsorge. Modelle für "anlageorientierte Pensionsfonds" lägen in der Schublade. Gleichzeitig sollten Beitragsleistungen für die Altersvorsorge erst nachgelagert besteuert werden. In Großbritannien etwa könnten Anlagebeträge von 7000 Pfund im ersten und 5000 Pfund in den folgenden Jahren aus unversteuertem Einkommen gebildet werden. Gleichzeitig appelliert das DAI an die Bundesregierung die Beteiligung der Mitarbeiter an ihren Firmen stärker zu fördern. Den Unternehmen solle gestattet werden, Anteile im Wert von 1000 Mark steuerfrei jährlich an ihre Mitarbeiter abzugeben. Bisher sind nur 300 Mark gestattet. Andererseits fordert Kley aber auch die Unternehmen auf, mehr zur Akzeptanz der Aktie beizutragen: Durch gleichzeitige und gleichberechtigte Information aller Aktionäre, durch Offenlegung von Eigengeschäften der Manager und durch generell weitreichende Transparenz über Jahresabschluss und andere relevante Zahlen.

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