Mein ERSTES Geld (29) : Nachhilfe in allen Fächern

Alexander Dibelius Deutschland-Chef von Goldman Sachs

Als Schüler habe ich mit Nachhilfestunden gutes Geld verdient. Zeitweise gab ich bis zu 30 Stunden pro Woche. In welchen Fächern? In allen: Latein, Englisch, Französisch, Mathematik. Ich war in den letzten Schuljahren ein relativ guter Schüler. Deshalb haben mir meine Lehrer immer wieder jüngere Schüler als Kunden vermittelt. Für eine Stunde bekam ich zwischen zehn und zwölf Mark. Wie es sich für einen späteren Investmentbanker gehört, habe ich meist eine erfolgsorientierte Vergütung verhandelt: Wenn ich einen Nachhilfeschüler zum Beispiel von einer Fünf auf eine Drei gebracht habe, war das teurer, als wenn er nur eine Vier geschafft hat.

Einen Großteil des Geldes brauchte ich für meinen Lebensunterhalt und meine Hobbys, zum Beispiel für Sportausrüstungen. Ich komme aus einem nicht besonders vermögenden Haushalt. Als ich 18 wurde, habe ich mir ein Auto gekauft – eine Ente, also einen Citroen 2 CV. Nach dem Abitur habe ich für sechs Monate als Postbote gearbeitet. Man wurde dort für eine feste Stundenzahl bezahlt. Wenn man seine Tour früher fertig hatte, ergab sich ein höherer Stundenlohn. Prima, dachte ich und habe immer versucht, möglichst schnell fertig zu sein. Dabei habe ich allerdings die eine oder andere Laterne übersehen, was leider zu Schäden an Postautos führte. Auch während des Studiums habe ich immer gejobbt – als Ski- und Surflehrer, Fremdenführer, Nachtwache im Krankenhaus und als Händler von hagelgeschädigten Fahrzeugen. In der Weihnachtszeit bin ich sogar als Nikolaus aufgetreten.

Aufgezeichnet von Stefan Kaiser

Alexander Dibelius (47) gilt als Architekt vieler Großfusionen und Übernahmen – etwa der Fusion von Daimler und Chrysler. Vor seiner Karriere als Banker arbeitete er als Herzchirurg und Partner bei McKinsey.

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