Mein ERSTES Geld (37) : 600 Löcher pro Stunde

Ulrich Galladé[Chef der Galladé-Gruppe]

Den pädagogischen Fähigkeiten meines Vaters habe ich mein erstes Geld zu verdanken. Ich war 14 Jahre alt, als ich zu ihm ging und ihn fragte, ob ich ein Uher- Tonbandgerät haben könne. Das war damals der absolute Hit, so wie heute ein iPod, und ich hatte es bei jemandem in meiner Straße gesehen und ausprobiert. Mein Vater sagte: „Du kannst das Tonbandgerät haben.“ – „Gehen wir dann gleich in die Stadt?“, fragte ich ihn ungeduldig. „Nein“, sagte mein Vater. „Du kannst das Tonbandgerät haben, wenn Du nebenan im Presswerk nach einer Stelle fragst und Dir das nötige Geld erarbeitest.“

Ich hatte schon versucht, Geld auf dem Flohmarkt zu verdienen, mit alten Schraubenziehern und anderem Werkzeug – vergeblich. Also fing ich als Aushilfe im Presswerk in Witten an. Ich bohrte Löcher in Stahlteile, 600 pro Stunde. Wenn genug Löcher gebohrt waren, fegte ich die Werkshalle. Oder legte Blechteile nacheinander auf die Maschinen. Das war mein erster Kontakt in die Metallindustrie, und es machte mir Spaß.

Von meinem ersten Geld kaufte ich mir für zehn Mark eine alte Zünder, 200 Kubik. Ich arbeitete das Motorrad auf und verkaufte es weiter – für 120 Mark. Damit hatte ich genug beisammen für das ersehnte Tonbandgerät. Und ich hatte meine erste erfolgreiche kaufmännische Erfahrung gemacht.

Im Presswerk arbeitete ich weiterhin und machte eine Lehre als Maschinenschlosser. Später studierte ich Maschinenbauingenieurwesen. Das Tonband habe ich irgendwann verkauft.

Aufgezeichnet von Andreas Menn.

Ulrich Galladé (54)

ist Inhaber der 1959 gegründeten Galladé- Gruppe, einem hochspezialisierten mittelständischen Automobilzulieferer aus Witten. Privat spielt er mit Twens in einer Rockband.

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