Mein ERSTES Geld (58) : Schnittwunden für ein Paar Skier

Herbert Bodner Bauindustriepräsident

Ich bin Österreicher. Und bei den vielen Bergen in meiner Heimat ist es völlig normal, dass man sich schon in jungen Jahren fürs Skifahren interessiert. Gute Skier konnte ich mir als 15-Jähriger aber nicht leisten. Zum Glück gab es bei uns in Graz eine Coca-Cola-Fabrik, wo ich vier Wochen in den Ferien arbeiten konnte.

Hohe Sicherheitsstandards, wie sie heute in einer Fabrik vorgeschrieben sind, waren damals aber überhaupt nicht üblich. Nach meinen ersten Arbeitstagen an der Abfüllanlage kam ich deshalb immer mit neuen Schnittwunden nach Hause, die ich von den Glasflaschen hatte. Meine Eltern wollten mir daher den Job ausreden. Für mich kam das aber nicht infrage. Das Paar Skier musste unbedingt sein.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich an dieser halbautomatisierten Abfüllanlage stand und immerzu die gefüllten Cola-Flaschen per Hand in Kisten sortieren musste. Gerade am Anfang kam ich da überhaupt nicht hinterher. Die Drehscheibe war zu schnell. Mein Glück war, dass es damals noch Springer gab, die herbeigeeilt sind, wenn die Drehscheibe schon wieder zu voll war und die Flaschen zu zerbrechen drohten. Die haben dann immer mit mir geschimpft, dass ich zu langsam war. Ich weiß aber auch noch, wie schön es war, als ich nach einer Woche die neuen Anfänger ausschimpfen konnte.

Wie viel ich genau verdient habe, weiß ich nicht mehr. Aber für meinen Lohn konnte ich mir auf jeden Fall die ersehnten Skier kaufen.

Aufgezeichnet von Yasmin El-Sharif

Herbert Bodner (61)

ist Chef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger. Seit Anfang 2009 steht er an der Spitze des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Privat fährt er gern Motorrad.

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