Mein erstes Geld (67) : OP-Wäsche gewaschen

Berndt Schmidt, Intendant des Friedrichstadtpalastes über sein erstes selbstverdientes Geld.

Berndt Schmidt Intendant des Friedrichstadtpalastes
Berndt Schmidt
Berndt Schmidt. -Foto: promo

Mein erstes richtiges Geld habe ich in meinen ersten Semesterferien verdient. Die Jobs vorher an Tankstellen oder im Betrieb meiner Großeltern waren nur pillepalle. Die Arbeitsvermittlungsstelle der Universität Augsburg hat mir 1985 einen Job in einer Großwäscherei angeboten. Ich war noch nicht richtig wach und bin einfach mal dahin. Nachdem ich den ersten Vormittag gearbeitet hatte, bin ich zum Erstaunen aller die vollen sechs Wochen geblieben.

Die Arbeit war nämlich gewöhnungsbedürftig: Aufstehen um 5.30 Uhr, alle 90 Sekunden zwei Säcke à 20 Kilogramm Schmutzwäsche auf ein Band wuchten und die Plastiksäcke mit den Fingern aufreißen (nach dem 20. Sack geht das in die Finger – und dann kommen noch 600 in der Schicht). Darunter war wenig Erfreuliches wie blutige „OP-Wäsche“ aus Krankenhäusern oder Säcke mit der Aufschrift „Leichenwäsche“. Der Stundenlohn lag bei acht Mark und mit dem Geld habe ich das getan, was man als Student eben so tut: Feiern und Reisen.

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Berndt Schmidt (45) kam im November 2007 als Manager des Musical-Konzerns Stage Entertainment in Stuttgart zum Berliner Friedrichstadtpalast.

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