Mein ERSTES Geld (72) : Mauerstücke für New York

Bodo von Laffert
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Ein unternehmerischer Typ war ich schon von klein auf. Während meine Klassenkameraden das Thema Wirtschaft zum Gähnen fanden, dachte ich mit einem guten Freund über Geschäftsideen nach. Auch an jenem Tag, als die Berliner Mauer fiel. Kaum hatten wir im Fernsehen von dem Ereignis erfahren, sprangen wir auch schon ins Auto und machten uns auf den Weg von Hamburg nach Berlin. Und da standen wir plötzlich in der Bernauer Straße vor der Mauer, an der sich die Berliner schon mit Spitzhacken zu schaffen machten. Wir griffen uns ein großes Stück Beton, wuchteten es in den Kofferraum und fuhren los. Auf der Fahrt hatten wir unheimliche Angst, dass die Grenzpolizei uns aufhalten würde. Aber sie ließen uns durch.

Im Keller meiner Eltern zerschlugen wir das Mauerstück in kleine Stücke. Die wollten wir als Briefbeschwerer verkauften. Dafür gossen wir sie in Kunstharz ein, man konnte nur noch mit Gasmaske in den Keller gehen. Wir fanden eine Firma, die professionelle Verpackungen für uns druckte, mit Fotos darauf, die wir an dem Abend in Berlin geschossen hatten. Bepackt mit einem Rucksack voller Kartons bin ich dann, damals 20 Jahre alt, nach New York geflogen und habe die Briefbeschwerer verkauft. Real pieces from the Berlin Wall – die Amerikaner waren völlig aus dem Häuschen! Und ich hatte mein eigenes Geld verdient.

Aufgezeichnet von Andreas Menn.

Bodo von Laffert ist Gründer und Geschäftsführer der Sushi Factory. Die Restaurant-Kette hat elf Filialen in Hamburg, Bremen, Oldenburg und Düsseldorf.

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