Mein erstes Geld : Als Zehnjährige Teppiche geknüpft

Dagmar Reim, Intendantin des Senders RBB erzählt, wie sie ihr erstes eigenes Geld verdient hat.

Dagmar Reim
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Dagmar Reim. -Foto: promo

Begonnen hat alles mit Kinderarbeit. Unbezahlter. Meine Mutter hatte ein Textilgeschäft. Damals kam es in Mode, Teppiche selbst zu knüpfen. Sie verkaufte die Vorlagen dafür, Wolle und Knüpfnadeln. Ich saß als Zehnjährige im Schaufenster und knüpfte, abwechselnd mit meinem Bruder. Vor uns stand ein Pappschild: „Teppichknüpfen – kinderleicht“. Super-Werbung. Potenzielle Käufer drückten sich die Nase am Schaufenster platt und dachten hoffentlich: „Das arme Kind!“ Irgendwann schaffte ich den Umstieg in die Geldwelt. Ich gab Nachhilfestunden. Zunächst einer Mitschülerin aus meiner Klasse. Deren Großmutter bewirtete uns fürstlich mit Rosinenschnecken und Kaffee, bemerkte am Ende der Stunde jedoch meinen waidwunden Blick und rückte ein Zwei-Mark-Stück heraus. Die Tochter des örtlichen Entsorgungsunternehmers war mir noch lieber: Es gab fünf Mark pro Nachhilfestunde. Nach dreizehn Kapiteln „Learning English, Teil 1“ reichte es für die dunkelrote Levi’s-Feincord-Jeans. Ein Traum.

Dagmar Reim (57) wurde im Mai 2003 zur Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) gewählt. Sie war die erste Frau auf dem Chefposten eines öffentlich-rechtlichen Senders. Zuvor arbeitete sie beim NDR.

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