Wirtschaft : Messe-Auftrag für McKinsey umstritten CDU kritisiert Vergabeverfahren/IHK befürwortet Privatisierung

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Berlin (alf). Das Gutachten der Beratungsfirma McKinsey über die Privatisierungschancen der Messe Berlin schlägt weiter Wellen. In CDUKreisen wurde dem Senat vorgeworfen, McKinsey habe den 600000-Euro-Auftrag nur bekommen, weil der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit dem Berliner McKinsey-Partner Markus Klimmer gut bekannt sei. Wirtschaftssenator Harald Wolff, der im Senat für die Messe zuständig ist, wies diesen Verdacht zurück. Der Auftrag für das Gutachten sei von der Messe erteilt worden, erklärte Wolff auf Anfrage. „Formal“ sei das richtig, heißt es wiederum in Aufsichtsratskreisen der Messe. Faktisch hätte aber das Land Berlin als Eigentümer auf dem Gutachten bestanden. Im McKinsey-Schreiben selbst heißt es, „der Senat und die Messe Berlin GmbH haben McKinsey beauftragt“.

Dass es keine Ausschreibung für die Expertise gab, ist laut Wolff-Sprecher Christoph Lang auch völlig normal, dass die Messe ein privatrechtliches Unternehmen sei. Die Wahl fiel auf McKinsey, weil deren Berater bereits „Vorkenntnisse aus einer früheren Zusammenarbeit mit der Messe hatten“, wie Wolff erläutert. Es habe „Einvernehmen zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden und der Messe-Geschäftsführung gegeben, dass McKinsey den Auftrag kriegt“. Wie berichtet, kommen die Berater in ihrem Zwischengutachten zu einer eher skeptischen Beurteilung der Privatisierungschancen. Die Unternehmensberatung Roland Berger und die Investmentbank WestLB Panmure plädieren dagegen klar für den Verkauf des operativen Messegeschäfts. Bis Ende März will McKinsey das fertige Gutachten vorlegen.

Unterdessen meldete sich auch die Berliner IHK zu Wort. Die Diskussion über die Privatisierung stoße bei der Kammer auf „absolutes Unverständnis“, hieß es in einer Mitteilung. Der neue Aufsichtsrat sei seinerzeit mit dem Ziel der Messeprivatisierung bestellt worden. Nun werde vom Land Berlin als Eigentümer „die Privatisierungsfähigkeit grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt: Was soll das?“, fragte sich IHK-Sprecher Stefan Siebner. Da es Interessenten für den Einstieg bei der Messe „offensichtlich gibt, müsste der Senat nur noch die Parameter für das Privatisierungsverfahren festlegen“, schreibt die Kammer.

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