Metall-Arbeitgeber zum Diesel-Skandal : „Es gibt keine Krise"

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall sieht die Autobranche als Garant für den Wohlstand hierzulande und keineswegs in der Krise.

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Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, will die Zukunft des Autoverkehrs dem Markt überlassen.
Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, will die Zukunft des Autoverkehrs dem Markt überlassen.Foto: picture alliance / dpa

Herr Zander, wie groß ist Ihre Enttäuschung über die mickrigen Ergebnisse des Auto-Gipfels?
Ich bin überhaupt nicht enttäuscht, im Gegenteil. Es ist deutlich geworden, wie wichtig die Autoindustrie und der Dieselantrieb für die Wirtschaft und den Wohlstand sind. Und eine Reduzierung der Stickoxide um 25 bis 30 Prozent kann sich sehen lassen.

Das reicht bei Weitem nicht aus, um die vorgeschriebenen Grenzwerte zu erreichen.
Seit 1990 sind die Stickoxidemissionen um 70 Prozent gesunken, jetzt wird ein weiterer Schritt gemacht. Dazu müssen selbstverständlich Messverfahren im realen Betrieb kommen. Das wichtigste Ergebnis des Gipfels ist aber die Technologieneutralität: Die Kunden entscheiden am Ende, welche Autos mit welchem Antrieb sich durchsetzen. Der Markt muss es machen.

Dann bleibt die Luft in den Städten lebensgefährlich.
Das ist Quatsch. Noch mal: Die Emissionen sind bereits erheblich gesunken und sie werden weiter sinken. Und moderne, saubere Diesel wird es noch viele Jahre geben. Dem Klima geht es im Übrigen nicht viel besser, wenn wir uns in Deutschland als Weltenretter verstehen und überall sonst auf der Welt nicht viel passiert. Die USA gehen sogar in eine andere Richtung.

Die Amerikaner gehen aber deutlich rigoroser mit Abgasbetrügereien um als die verständnisvollen Europäer.
Sie verfolgen und bestrafen VW mit riesigen Summen und steigen aus dem Klimaschutzabkommen aus. Das macht überhaupt keinen Sinn.

Welche Autos fahren wir denn in Zukunft?
Ein Mix aus Verbrennern, die auch mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden, Elektro-, Wasserstoff- und Erdgasautos. Darüber entscheiden die Marktteilnehmer – und nicht die Politik, wie die Grünen wünschen. Wenn sich deren Planwirtschaft durchsetzte, wäre es bald vorbei mit dem Wohlstand.

Sie sehen die deutsche Autoindustrie nicht in der Krise?
Es gibt keine Krise. Die Wertschöpfung eines Arbeitsplatzes in der Autoindustrie ist ungefähr dreimal so hoch wie im Handel; knapp 40 Milliarden geben die Automobilunternehmen jedes Jahr für Forschung und Entwicklung aus, und den deutschen Handelsüberschuss verdanken wir zur Hälfte der Autoindustrie. Ohne diese Branche könnten wir uns einen großen Teil der sozialen Wohltaten überhaupt nicht leisten. Das Geld, das Grüne und Linke gerne verteilen, wird in der Autoindustrie verdient.

Die Transformation der Branche dürfte ein Kernthema der nächsten Legislaturperiode werden.
Bestimmt nicht. Es wird keine Disruption geben, trotz der großen Trends Elektromobilität und Digitalisierung. Was uns vielmehr besorgt, ist die Belastung der Arbeitsplätze mit weiter steigenden Sozialbeiträgen. Wir müssen in der nächsten Legislatur unbedingt die 40-Prozent-Grenze halten und brauchen dazu eine Effizienzstrategie für die Sozialsysteme. Die deutsche Autoindustrie dagegen ist die erfolgreichste, weil effizienteste in der Welt.

Das Interview führte Alfons Frese.

Oliver Zander ist Hauptgeschäftsführer des mächtigen Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, zu dem die deutschen Maschinen- und Fahrzeugbauer und die Elektroindustrie gehören.

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