Metall-Tarifverhandlungen : Ringen um eine Einigung

Die Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie sind am Nachmittag in die entscheidende Runde gegangen. Im Laufe des Tages waren bundesweit 200.000 Beschäftigte in Warnstreiks gegangen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Hamburg/Sindelfingen - In Sindelfingen trafen sich zunächst die Verhandlungsführer von Gesamtmetall und der IG Metall in Baden-Württemberg zunächst getrennt mit ihren Kommissionen zu internen Beratungen. Ein Abschluss im Südwesten könnte bundesweiten Pilotcharakter haben. Beide Seiten haben ihre Gremien vor Ort, um über einen Einigungsvorschlag der Verhandlungsführer abstimmen zu können. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber bieten 2,5 Prozent und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent.

Unmittelbar vor der entscheidenden fünften Runde der Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie haben sich mehr als 200.000 Beschäftigte der Branche an Warnstreiks beteiligt. Betroffen von Streiks waren über 800 Betriebe. Arbeitgeber und IG Metall erwarteten von den Gesprächen, die am Nachmittag in Sindelfingen bei Stuttgart beginnen sollen, einen Durchbruch. Beobachter gingen von einem harten und zeitlich nicht befristeten Ringen aus.

Die Gewerkschaft forderte für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Dem stand ein erstes Angebot der Arbeitgeber von 2,5 Prozent mehr Entgelt und einem Konjunkturbonus von 0,5 Prozent über zwölf Monate gegenüber. Sollte es auch diesmal keinen Durchbruch geben, will die IG Metall sofort einen Arbeitskampf einleiten. Beide Seiten hatten die Spitzen ihrer Verbände zum Verhandlungsort eingeladen. Am Freitag wird noch in Niedersachsen verhandelt.

Arbeitgeber kündigen besseres Angebot an

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hatte bereits vor den neuen Gesprächen ein verbessertes Angebot angekündigt. Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser sagte im Bayerischen Rundfunk: "Die Zeit ist reif. Wir sind wohl auf beiden Seiten der Meinung, dass jetzt der Knoten durchschlagen werden sollte". Ein Kompromiss über die Laufzeit des neuen Tarifvertrages sei denkbar. Im Gespräch waren in den vergangenen Tagen 18 Monate.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sagte im Bayerischen Rundfunk: "Die Arbeitgeber müssen jetzt schon kräftig etwas draufsatteln. 2,5 Prozent sind schlicht und ergreifend angesichts der wirtschaftlichen Lage, des Aufschwungs, den ja die Leute erarbeitet haben, in keinster Weise akzeptabel."

Viele Proteste in NRW

Schwerpunkt der Protestkationen war Nordrhein-Westfalen, wo nach Gewerkschaftsangaben bis zum Mittag 55.000 Metaller aus 407 Betrieben zeitweise die Arbeit niederlegten. In Bayern hatte die IG Metall 70.000 Beschäftigte aus 70 Betrieben unter anderem bei BMW, Audi und Siemens zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Rund 27.000 Menschen in 63 Betrieben traten nach diesen Angaben in Baden-Württemberg in den Ausstand. In Stuttgart versammelten sich insgesamt rund 5500 Mitarbeiter von Bosch und Daimler-Chrysler vor den Werkstoren.

Im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim beteiligten sich etwa 6000 Beschäftigte an den vorübergehenden Arbeitsniederlegungen. Bei Opel in Bochum standen nach Darstellung des Betriebsrates die Bänder für etwa zwei Stunden still. Der Protest richtete sich zudem gegen den geplanten Stellenabbau im belgischen Opel-Werk Antwerpen.

Im Norden Deutschlands waren neben Werften auch das deutsche Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder betroffen. In Bremen beteiligten sich rund 4000 Beschäftigte von DaimlerChrysler an Protesten. Am Mittwoch waren bundesweit rund 100.000 Arbeitnehmer für mehr Geld auf die Straße gegangen. An diesem Freitag will die IG Metall ihre Aktionen unverändert fortführen. (tso/dpa)

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