Wirtschaft : Meuterei bei der Lufthansa Ex-Chef Mayrhuber tritt nicht als Aufsichtsrat an

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Lieber Notbremse. Wolfgang Mayrhuber drohte eine Wahlniederlage.Foto: dpa
Lieber Notbremse. Wolfgang Mayrhuber drohte eine Wahlniederlage.Foto: dpaFoto: dpa

Frankfurt am Main - Wolfgang Mayrhuber ist ein jovialer Typ, aber auch einer, der gerne anpackt. Das hat er siebeneinhalb Jahre lang bis Ende 2010 als Vorstandschef der Lufthansa praktiziert, das hat er auch als Chef des Aufsichtsrates des Chip-Herstellers von Infineon und in den Kontrollgremien von Münchener Rück und BMW gezeigt. Am heutigen Dienstag sollte der Österreicher auf der in Köln stattfindenden Hauptversammlung auch an die Spitze des Kontrollgremiums von Lufthansa gewählt werden. Doch am Montag verkündete Mayrhuber überraschend den Verzicht auf die Kandidatur – ein nicht nur in der Geschichte der Airline beispielloser Vorgang.

Lufthansa begründete den Schritt am Montag mit „der Kritik aus Aktionärskreisen“. Große Anteilseigner halten Mayrhuber, der von 2003 bis 2010 an der Spitze des Vorstands stand, vor, in zu vielen Aufsichtsgremien zu sitzen. Er habe gravierende Fehlentscheidungen und Versäumnisse zu verantworten. In seiner Amtszeit hatte Lufthansa Airlines wie Austrian oder Swiss übernommen. Mayrhubers Nachfolger Christoph Franz versucht jetzt, mit dem Sparprogramm Score, das vor allem die Mitarbeiter trifft, die Kosten in den Griff bekommen.

Starker Widerstand kam von der Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS), die wichtige Großaktionäre vertritt. Sie hat ihren Mandanten empfohlen, gegen Mayrhuber zu stimmen. Zudem gab es einen anonymen Brief aus Führungszirkeln der Lufthansa mit scharfer Kritik an Mayrhuber. Auch die Fondsgesellschaften Union Invest und Templeton wollten auf der Hauptversammlung gegen ihn stimmen.

Der Rückzug gilt als Schlappe für den aktuellen Chefaufseher Jürgen Weber (71), der sich über Monate massiv für Mayrhuber eingesetzt hatte und sich nun nach fast fünf Jahrzehnten aus dem Dienst für die Lufthansa zurückziehen wollte. Der Aufsichtsrat wollte noch am Montag einen neuen Kandidaten suchen. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war noch kein Name bekannt. Rolf Obertreis

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