Wirtschaft : mg technologies: Bei der Metallgesellschaft fliegen die Fetzen

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Die "Schlammschlacht" bei der mg technologies ging am Freitag auch auf der Hauptversammlung der Gesellschaft weiter. Während der Vorstandsvorsitzende Kajo Neukirchen die Vorwürfe des Großaktionärs Otto Happel energisch zurückwies und von Verleumdungen und "zerstörerischer" Kritik sprach, erneuerte ein Vertreter Happels die Vorhaltungen. Neukirchen habe Millionenwerte vernichtet und betreibe Bilanzkosmetik. Er sei für das "Führungsdebakel" und für das "desaströse Bild" des Gesamtkonzerns verantwortlich und er gefährde damit die mg. Die Mehrheit der rund 2000 Aktionäre schlug sich allerdings auf die Seite Neukirchens und forderte Happel, der rund zehn Prozent an der mg hält, zu sachlicher und fairer Kritik auf. Mit seinem Verhalten belaste er das Unternehmen und den Aktienkurs.

Der eigenwillige Großaktionär, der 1999 den Anlagenbauer Gea an die mg verkauft hatte und dafür zwei Milliarden Mark und eine Beteiligung an der mg erhalten hatte, hält Neukirchen Missmanagement vor. Die Umstellung der Rechnungslegung auf amerikanische Standards habe Neukirchen genutzt, um die Lage des Unternehmen rosiger darzustellen als sie tatsächlich sei. Die im Sommer vergangenen Jahres aufgetauchten Probleme im Großanlagenbau habe der mg-Chef viel zu spät entdeckt. Dort seien Milliardenwerte vernichtet worden. Schließlich sei Neukirchens Unternehmenskonzept im Blick auf Life Science ein "Trugbild ohne Inhalt". Wegen all dieser Versäumnisse fordert Happel die Ablösung von Neukirchen.

Aufsichtsratchef Helmut Werner kritisierte das Verhalten Happels scharf. Sein Verhalten sei für die Reputation des Unternehmens sicherlich nicht förderlich. "Sie haben das Unternehmen, seine Mitarbeiter und vor allem die Aktionäre schwer geschädigt", sagte Werner. Er hielt dem größten Aktionär der mg zudem vor, das angekündigte Gutachten zu den Vorwürfen immer noch nicht vorgelegt zu haben. Auch auf der Hauptversammlung blieb Martin Sorg, der Vertreter Happels das Gutachten schuldig. Sorg, Wirtschaftsprüfer der von Happel eingeschalteten Stuttgarter Anwaltskanzlei Binz & Partner, erneuerte unter zum Teil heftigem Protest vieler Aktionäre auf der Hauptversammlung die Vorwürfe gegen Neukirchen. Mittlerweile sei eine einstweilige Verfügung ergangen, die dem mg-Chef ehrabschneidenden Äußerungen über Happel verbiete.

Auslöser für die heftigen Attacken des Großaktionärs sollen Differenzen über den vereinbarten Rückkauf der Gea-Sparte Landtechnik im Herbst vergangenen Jahres gewesen sein. Neukirchen wollte sich nicht mit dem angeblich vereinbarten Kaufpreis von 360 Millionen Mark begnügen. Dem Vorstandschef versagte Happel die Entlastung. Sollte die Hauptversammlung einer Sonderprüfung nicht zustimmen, werde man dies vor Gericht erwirken, sagte Sorg.

Der mg-Chef wies die Vorhaltungen von Happels erbost zurück. Die Vorwürfe Happels, Bilanzen der ehemaligen Metallgesellschaft seien manipuliert und die Probleme im Anlagenbau seien verschwiegen worden, seien "vollständig widerlegt", sagte Neukirchen. Im Auftrag der mg hatte der renommierte Bilanz-Experte Karlheinz Küting von der Uni Saarbrücken dem Unternehmen bescheinigt, dass alle Bilanzen in Ordnung sind und einen "getreuen Einblick" in die wirtschaftliche Lage des Unternehmens geben.

Nach Angaben von Neukirchen wird die mg das Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr zum siebten Mal in Folge steigern. Die Probleme im Großanlagenbau seien überwunden, mittlerweile habe man zwei Großaufträge aus Polen und Indien im Gesamtwert von 150 Millionen Euro hereingeholt. Im ersten Quartal von November bis Januar war der Gewinn der mg vor Steuern um drei Prozent auf über 70 Millionen Euro gestiegen. Dieser Trend, so Neukirchen, habe sich bis Ende März bestätigt.

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