Wirtschaft : Microsoft: Anerkennung für den Richter - Thomas P. Jackson kennt kein Pardon

Mit seinem silbergrauen Haar, seiner alten schwarzen Pfeife und seinem rundlichen Gesicht wirkt Bundesrichter Thomas Penfield Jackson wie ein gemütlicher Rentner. Verstärkt wird der Eindruck durch seine Vorliebe für Biografien historischer Persönlichkeiten und die Gewohnheit, alles Wichtige noch mit der Hand zu schreiben. Doch im Microsoft-Kartellprozess zeigte sich der 63-Jährige als knallharter Vorsitzender, der sich auch durch komplizierte technische Erläuterungen durchbiss und die Anwälte beider Seiten mit seinem Verständnis für die High-Tech-Industrie verblüffte.

Freunde beschreiben den 1982 vom damaligen Präsidenten Ronald Reagan ernannten Richter als einen gutmütigen Konservativen mit einer ausgeprägten Schwäche für Underdogs und einer Abneigung gegen Arroganz. Dies erklärt vermutlich seinen gelegentlich offen gezeigten Ärger über das selbstsichere Auftreten der Microsoft-Manager oder ihrer Anwälte. Mit grollender Stimme wies er die Anwälte oft in ihre Schranken. Selbst den reichsten Mann der Welt, Bill Gates, verschonte er nicht mit Kritik. Gates sei offenbar nicht besonders auskunftswillig, bemängelte Penfield Jackson nach einer Aussage des Microsoft-Gründers.

Jackson ist zudem ein Wahrheitsfanatiker. Sein Credo: "Falsus in uno, falsus in omnibus", frei übersetzt: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Im Prozess habe er oft den Eindruck gehabt, dass die Microsoft-Vertreter ihm bestenfalls die halbe Wahrheit erzählen, ließ Jackson wissen. Das habe ihn zusätzlich erzürnt - woraus er keinen Hehl machte, was an seinen aufbrausenden Reaktionen während des Verfahrens nur zu deutlich abzulesen war.

Während des seit 18 Monaten laufenden Verfahrens erwarb der Richter sich allseitige Anerkennung für die souveräne Prozessführung. Allein die Tatsache, dass die Hauptverhandlung nur etwas mehr als ein Jahr gedauert hat, gilt als Meisterleistung. Andere Kartellverfahren von geringerer Bedeutung haben bis zu zehn Jahre gedauert.

Als ihm der Fall zugeteilt wurde, hatten viele Beobachter erwartet, dass der Richter zu Gunsten von Microsoft urteilen würde. Schließlich hatte er in einem anderen Verfahren in den achtziger Jahren dem Autoriesen General Motors gegen die staatlichen Ankläger Recht gegeben. Doch schon früh wurde klar, dass Jackson diesmal dem hundert Jahre alten Sherman-Gesetz gegen Monopole zuneigte. Er betrachtete Microsoft als "räuberisches" Unternehmen, das sein Monopol gegen die Verbraucher ausnutzte. Der Microsoft-Prozess ist der Höhepunkt der Karriere des Juristen. Der Harvard-Absolvent arbeitete zunächst in der Anwaltskanzlei seines Vaters. 1982 berief ihn Reagan an das für den Hauptstadtbezirk zuständige Bundesgericht. Erstmals geriet Jackson dort 1990 als Richter über den Washingtoner Bürgermeister Marion Barry in die Schlagzeilen, der beim Rauchen von Rauschgift erwischt worden war.

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