Wirtschaft : Milliardenpoker bei Bertelsmann

Ein Thema dominiert die Hauptversammlung in Gütersloh: der Streit um einen möglichen Börsengang

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Gütersloh - Der Milliardenpoker um den Börsengang des größten europäischen Medienkonzerns Bertelsmann geht an diesem Montag in eine neue Runde. Eine Vorentscheidung für die Zukunft des Konzerns wird von der Hauptversammlung erwartet. Dabei zeichnet sich ein interner Streit über die künftige Kapitalmarktorientierung von Bertelsmann ab: Während die Eigentümerfamilie Mohn offenbar auf jeden Fall verhindern will, dass Teile des Unternehmens an die Börse gebracht werden, zeigen sich der Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen und weitere Vorstände solchen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Der Minderheitsgesellschafter, die belgische Groupe Bruxelles Lambert (GBL), will sein Recht wahrnehmen und sein Aktienpaket von 25,1 Prozent – verbunden mit einem Stimmrecht von 25 Prozent – an der Börse platzieren. Die Familie von Firmenpatriarch Reinhard Mohn, die 74,9 der Anteile kontrolliert, will dies dem Vernehmen nach verhindern. Angeblich bereitet Mohn ein milliardenschweres Angebot vor, um den GBL-Anteil zurückzukaufen.

GBL-Eigner Albert Frère hatte die Bertelsmann-Aktien 2001 im Tausch gegen Anteile an der größten privaten Fernsehsender-Gruppe Europas, der heutigen RTL Group erworben. Fünf Jahre lang wurde er mit einer Garantiedividende von jährlich 120 Millionen Euro abgegolten. Vertraglich hat er nach Abschluss der Hauptversammlung an diesem Montag das Recht, einen Börsengang zu verlangen. Die Familie Mohn hat ihrerseits das Recht, mit einem Rückkaufangebot zu reagieren. Die Frage, wie hoch ein solches Angebot sein müsse, entzweit beide Seiten bisher. Während GBL von einem Preis nahe fünf Milliarden Euro ausgeht, taxiert Bertelsmann den Wert des Pakets zwischen drei und vier Milliarden Euro.

Bertelsmann hatte im vergangenen Jahr mit einem Umsatz von fast 18 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro glänzende Zahlen vorgelegt und war beim Aufkommen der Börsenspekulationen im Januar von Analysten bereits in den Kreis möglicher Dax-Kandidaten gerückt worden. Die Familie Mohn scheut jedoch wegen befürchteter äußerer Einflüsse die Börse und favorisiert den Rückkauf. Dafür würden die Mehrheitsgesellschafter nach Medienberichten auch hohe Schulden und den Verkauf rentabler Firmenteile in Kauf nehmen. dpa/Tsp

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