Wirtschaft : Milliardenteure Aufholjagd

Mit Großinvestitionen und Allianzen entwickeln die deutschen Autohersteller die neue Technolgie

Alfons Frese

Berlin - Um große Worte waren die deutschen Autohersteller nie verlegen. Von „der Wucht der kleinen Schritte“ ist zum Beispiel bei BMW die Rede, wenn es um das Thema Hybrid geht. Und der Branchenverband VDA kündigt die weltweit beste Hybridtechnologie für die Automesse IAA im September an. Zum Anschauen. Bis die ersten Autos der Deutschen mit der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor beim Händler stehen, vergehen noch zwei Jahre.

Lange hatte die hiesige Industrie Toyotas Prius belächelt und etwas arrogant auf ihre doch viel besseren Benzin- und Dieselmotoren hingewiesen. Es ist auch unumstritten, dass ein Diesel bei längeren Fahrten bessere Verbrauchs- und Emissionswerte hat als ein Hybrid. Doch der Hype um den Hybrid hat sie inzwischen zu einer milliardenteuren Aufholjagd gezwungen. VW, Audi und Porsche entwickeln zusammen einen Hybrid, Mercedes und BMW haben sich mit der Opel-Mutter General Motors zusammengeschlossen. Möglicherweise werden die Geländewagen VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 Ende nächsten Jahres als Erste mit dem Kombiantrieb ausgerüstet.

Die Skepsis der deutschen Ingenieure und Marketingleute ist allerdings geblieben. „Alle schauen das Thema sehr vorsichtig an“, heißt es bei BMW. Die Nachteile sind beträchtlich: Im Vergleich zu einem gleichwertigen Diesel ist der Hybrid rund 2500 Euro teuer, und der Abstand zum Benziner beträgt sogar 3500 Euro. Dieser Aufpreis lohnt sich für den Autokäufer nur, wenn er wirklich sehr viele Kilometer in der Stadt im Stop-and-go-Verkehr fährt.

Im Übrigen ist der Hybrid wegen der Batterie schwerer als ein „normaler“ Verbrennungsmotor. Doch Gewicht kostet Treibstoff. Auch deshalb spricht Thomas Knoll von Bosch von einem „Nischenmarkt“. Es sind vor allem Bosch und Continental, die hierzulande den Hybrid entwickeln und dazu künftig den Autoherstellern wie in einem Baukasten verschiedene Systeme anbieten werden. Mit 250 Leuten forscht und entwickelt Bosch seit gut drei Jahren an dem Thema. Bosch-Mann Knoll bescheinigt Toyota und deren Technik eine „tolle Leistung, die wir sehr wohl zu schätzen wissen“.

Was am Ende tatsächlich an Einsparungen realisiert wird, ist offen. Die einfache Start-und-Stop-Automatik, die den Motor bei jedem Halt automatisch ab- un dann wieder anstellt, kann schon acht Prozent bringen. Und der richtige Vollhybrid, dessen Batterie sich immer wieder mit Bremsenergie auflädt, rund 20 Prozent. Das ist aber auch nicht mehr als das, was ein guter Diesel gegenüber einem Benziner spart.

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