Mindestlohn : Machtkampf in der Postbranche spitzt sich zu

Noch an diesem Freitag will der Springer-Konzern über das Schicksal der Pin AG entscheiden. Auch Konkurrrent TNT hält sich alle Optionen für das Deutschland-Geschäft offen. Derweil heizt die Post mit einer Preissenkung für Firmenkunden den Wettbewerb weiter an.

TNT Post
Auch beim Postkonkurrenten TNT steigt die Unsicherheit über das künftige Geschäftsfeld Deutschland. -Foto: dpa

Das Schicksal der Mitarbeiter des angeschlagenen Post-Konkurrenten Pin könnte sich kurz vor Weihnachten entscheiden. Der Springer-Konzern wolle vor einer Grundsatzentscheidung über die Tochterfirma den Bundesrats-Beschluss zum Post-Mindestlohn am 20. Dezember abwarten, verlautete aus Branchenkreisen. Medienberichten zufolge bereitet der Konzern die Insolvenz von Pin vor, sollte der Mindestlohn wie geplant kommen. Der Aufsichtsrat wollte demnach am Montag darüber beraten. Unterdessen setzt die Deutsche Post die Konkurrenten mit Portosenkungen weiter unter Druck.

Der Einstieg ins Briefgeschäft entwickelt sich für Springer-Chef Mathias Döpfner zunehmend zum Klotz am Bein. Der Verlag, zu dem neben dem Flaggschiff "Bild" auch die Tageszeitung "Die Welt" gehört, hatte erst im Sommer für 510 Millionen Euro die Mehrheit an dem Briefdienstleister übernommen. In diesem Jahr wird mit einem Verlust von 55 Millionen Euro gerechnet. Döpfner müsse nun verhindern, dass "die kranke Pin den gesamten Konzern infiziert", zitierte die "Financial Times Deutschland" Verlagskreise. Eine Springer-Sprecherin betonte, es würden "sämtliche Optionen geprüft", und eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Pin hatte als Reaktion auf den geplanten Post-Mindestlohn von bis zu 9,80 Euro angekündigt, rund ein Zehntel der 9000 Mitarbeiter zu entlassen.

Rabatte bis zu 26 Prozent für Firmenkunden

Zu Jahresbeginn könnte sich die Situation noch verschärfen. Die Deutsche Post senkt ab Januar ihr Porto für Firmenkunden, sagte ein Konzernsprecher in Bonn und bestätigte einen Bericht des "Handelsblatts". Firmen, die ihre Briefe vorsortiert bei der Post abgeben, bekämen je nach Menge acht bis 26 Prozent Nachlass statt bisher drei bis 21 Prozent. Damit könnte Postchef Klaus Zumwinkel nicht nur die Pin Group schwächen, sondern auch den Konkurrenten TNT Post, Tochter des holländischen Postkonzerns TNT.

Beide hatten dem Ex-Monopolisten im lukrativen Markt für Geschäfts- und Werbepost durch Preiskämpfe Marktanteile abgejagt. Mit der Einführung des Post-Mindestlohnes und den Preissenkungen der Post verengt sich jedoch ihr Spielraum. Mit der Einführung des geplanten Mindestlohns zwischen acht und 9,80 Euro würden zahlreiche Postangestellte mehr verdienen als Arbeitnehmer mit höherer Qualifikation, kritisierte das Ifo-Institut Dresden in der Tageszeitung "Die Welt". Der Arbeitgeberverband Neue Brief- und Zustelldienste warnte zudem, der "überzogene" Mindestlohn bedrohe die mehr als 30.000 Jobs, die die privaten Postkonkurrenten seit 1999 geschaffen hätten.

Der niederländische Postdienstleister TNT will sich im Falle eines Mindestlohns in der deutschen Postbranche alle Optionen offen halten. "Alles ist möglich", sagte ein Unternehmenssprecher. Voraussichtlich am 20. Dezember entscheidet der Bundesrat über das zugrunde liegende Gesetz. (mac/dpa/AFP)

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